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Geologische Exkursionen in das Quartär des nördlichen Alpenvorlandes (anläßlich der Hauptversammlung in München 1950)

Weidenbach, F.

Kurzfassung

Will man aus der großen Zahl der während der Exkursionen behandelten Fragen die hauptsächlichsten herausgreifen, dann kann man feststellen, daß sich die Diskussion im wesentlichen um zwei Probleme konzentrierte: a) die stratigraphische Gliederung der Moränen und Schotterterrassen, b) die periglazialen Vorgänge. Die Exkursionen waren bewußt so angelegt, daß diese Kernpunkte zur Erörterung kommen mußten. Der Kreis von Fachgenossen, der sich zu den Exkursionen zusammengefunden hatte, beteiligte sich mit großem Eifer und teilweise leidenschaftlich an den Diskussionen. Es muß aber ausdrücklich hervorgehoben werden, daß die wissenschaftlichen Streitgespräche sich in einem sehr erfreulichen Geist der gegenseitigen Hochachtung und Kameradschaft abspielten und daß niemals der Boden der Sachlichkeit verlassen wurde. Von den Teilnehmern dürfen besonders genannt werden die französischen Kollegen A. CAILLEUX und J. TRICART und der Niederländer T. H. VON ANDELL. Sie haben auf Grund ihrer reichen Erfahrung auf sedimentpetrographischem Gebiet sehr dazu beigetragen, strittige Fragen über die Genese einzelner Ablagerungen zu klären. I. Exkursion in die Riß-Iller-Lech-Platte (vom 3. bis 6. September) Der stratigraphischen Gliederung der eiszeitlichen Ablagerung in der Iller-Riß-Platte war der erste Tag gewidmet. Die Führung von H. GRAUL und F. WEIDENBACH war so angelegt, daß fast ausschließlich die Ablagerungen der Rißeiszeit besichtigt wurden. In der unmittelbaren Umgebung von Ulm-Wiblingen führte H. GRAUL einige Aufschlüsse in verschieden hoch gelegenen Terrassenschottern vor, die zur Rißeiszeit gestellt werden. 1. 8 m über der postwürmglazialen Donauterrasse liegt eine Schotterterrasse, die durch eine Kiesgrube an der Straßengabel 1,5 km westlich Wiblingen mit 7 m Schottern erschlossen ist. Die Schotter sind etwa 2-2,5 m tief verwittert, die Terrasse ist lößfrei. GRAUL bezeichnet sie als Donaustetter Terrasse und stellt sie zu Jungriß. 2 a. 7 m höher liegt die sog. Wiblinger Terrasse, ebenfalls lößfrei. Die Untergrenze der Kiese liegt tiefer als die Donaustetter Terrassenfläche. Die Kiese sind 1 1/2-2 m tief verwittert. Jüngeres Mittelriß.