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Exkursion in die Berchtesgadener Alpen (anläßlich der Hauptversammlung in München 1950)

Ganss, Ortwin

Kurzfassung

Führung: W. EDER, O. GANSS, G. HABER. Die 3tägige Exkursion in die Berchtesgadener Alpen hatte das Ziel, nicht nur die wesentlichsten stratigraphisch-tektonischen Probleme des Kalkalpins, sondern in gedrängter Form auch die Fragen der vorgelagerten Flyschzone, des Helvetikums und schließlich auch der oligozänen und miozänen Molasse zu berühren. Außerdem mußte noch das Geschehen der letzten Eiszeit mit seinen Erosions-und Akkumulationsformen in das Gesamtbild mit aufgenommen werden. Nach Querung der landschaftlich gleichförmigen, aus Niederterrassenschottern oberflächlich aufgebauten Münchener Ebene wurde nach 30 km Anfahrt (längs der Autobahn München-Salzburg) bei Weyarn der westliche Außenrand des würmzeitlichen Inngletschers erreicht. Hier hat die in N-S-Richtung parallel dem äußeren Moränenkranz fließende Mangfall an dessen Außenseite eine etwa 70 m tiefe Schlucht durch Hochterrasse und Deckenschotter bis in den obermiozänen Flinz gesägt. Die graugrünen Tone und Mergel des Flinz sind nach M. SCHLOSSER (1940) Ablagerungen von langsam fließenden Gewässern inmitten einer an Laubwäldern reichen Landschaft. Diese Gewässer müssen ihren Lauf oft geändert haben, so daß - geologisch gesprochen - dieser fluviatilen Sedimentation immer eine gewisse Kontinuität zugesprochen werden muß. Vereinzelte Kies- und Schotterlagen vervollständigen das Bild dieser Flußablagerungen, die in ihrer Weitflächigkeit und gleichförmigen Ausbildung im nördlichen Oberbayern immer wieder unter den eiszeitlichen Schottern und Moränen zutage treten und in Niederbayern weite Gebiete aufbauen. - Die altersmäßige Einstufung des Flinzes erfolgte auf Grund von Wirbeltieren, deren Reste vereinzelt gehäuft aufgefunden wurden. Nach SCHLOSSER sind es offenbar Freßplätze von Raubtieren, denen auch große Crocodilier angehörten. Ergänzend sei erwähnt, daß die Ablagerung des Flinz nach Resten von Dinotherium giganteum KAUP stellenweise bis in das unterste Pliozän reicht. Die Unterlagerung des fluviatilen Miozäns durch marines Mittel- und Untermiozän kommt südlich des besprochenen Mangfallprofiles zutage. Diese Schichten sind auch tektonisch gestört, und zwar in der Weise, daß die südwärts folgende Oligozänmolasse als Ganzes auf das marine Jungtertiär aufgeschuppt ist.