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Verbandsverhältnisse und Gefügeanalyse von Erz- und Nebengestein des Eisensteinvorkommens Lindenberg in der südwestlichen Lahnmulde

Denkewitz, Rolf

Kurzfassung

Die geologischen Aufnahmen des durch zahlreiche Bohrungen und Untertage-Aufschlüsse gut bekannten Gebietes im Bereich der Grube Lindenberg brachten die Erkenntnis, daß, im Gegensatz zu der Auffassung von J. AHLBURG starke tektonische Beanspruchungen der Schichten während der Variskiden-Orogenese im Südwestrandgebiet der Lahnmulde zu erheblichen Deckenüberschiebungen und Querverwürfen Anlaß gegeben haben. Das Lindenberglager liegt scheinbar diskordant in den Schichten. Es wird im Liegenden von "Schalstein", im Hangenden zum großen Teil von ungeschichteten Tuffen mit Einlagerungen weilburgitischer Deckenergüsse, stellenweise aber auch von Schiefer begrenzt. Seine stratigraphische Einordnung war nicht möglich, da keine bedeutungsvollen Fossilien gefunden wurden und in der näheren und weiteren Umgebung gleich aussehende Schiefer sowohl oberdevonische wie anderenorts mitteldevonische Fossilien enthalten. Das bereits makroskopisch auffällige Bild einer erheblichen Einschieferung der Sedimente und magmatischen Gesteine und die hierdurch bedingte Annahme einer epizonalen Dynamometamorphose der Gesteine bestätigte sich im mikroskopischen Befund. Der liegende Schalstein identifizierte sich als Weilburgittektonit; seine Verbindung zum Mandelweilburgit ergab sich aus kontinuierlichen Übergängen im anstehenden Gebirge. Dünnschliffserien vor Handstücken aus diesen Übergängen ließen die zunehmende mechanische und lösungsbedingte tektonische Umformung des Weilburgits erkennen. Gesteinsinhomogenität und anisotrope Druckverteilung der orogenen Kräfte waren die Ursache für das unterschiedliche Verhalten des liegenden Weilburgit-Komplexes gegenüber dem Streß und für die Erhaltung weniger stark bzw. kaum eingeschieferter, kleiner Weilburgitkörper. Die durch die chemische Analyse nachgewiesene bedeutende Zunahme an CaO, CO2 und SiO2 im Weilburgittektonit gegenüber seinem unbeanspruchten Ausgangsgestein läßt sich mit einer Stoffzufuhr aus zirkulierenden kohlensäure- und kieselsäurereichen Lösungen während der Dynamometamorphose erklären. Das Magnetit und Roteisenstein führende Lager ist in seiner liegenden Partie stark kieselig, darüber folgen zum Teil recht hochprozentige, aus Hämatit und stellenweise Magnetit bestehende Erze sowie kalkige Dispersionserze und tuffitische Lagen mit mehr oder minderer Beteiligung eines kieseligen Anteils. Vereinzelt findet sich im Lager noch ausgeprägte Schichtung, insbesondere in den tuffitischen und gering Fe-haltigen kalkigen Komplexen.