Original paper

Erfahrungen über Projektion und Darstellung von Schlechten und Klüften im rheinisch-westfälischen Steinkohlengebirge

Seidel, Gerhard

Kurzfassung

Kleintektonische Untersuchungen besitzen für den Steinkohlenbergbau unmittelbare Bedeutung. Denn Klüfte und Schlechten (= Klüfte und Kleinstörungen im Flöz) vermögen, wenn ihr Streichen, ihre Einfallsrichtungen und ihre Einfallswinkel entsprechend berücksichtigt werden, zur Erleichterung der Kohlengewinnung und damit zur Erhöhung der Rentabilität beizutragen. Jedoch müssen die Schlechten und Klüfte, wenn sie beim Abbau ausgenutzt werden sollen, mit sicheren Werten für unaufgeschlossene Feldesteile vorherbestimmt werden können. Aus genetischen Gründen kann man die Schlechten nach ihrem Einfallen zur Flözebene einteilen in 1. bankrechte Schlechten, stets ± lotrecht zur Flözebene einfallend, und 2. bankschräge Schlechten, stets mehr oder weniger geneigt zur Flözebene einfallend. Die bankrechten Schlechten folgen, in die Horizontalebene transformiert, gleichen Streichrichtungen. Infolge ihres stets bankrechten Einfallens und infolge der Richtungskonstanz ihrer Streichrichtungen in der Horizontalebene ist ihre Vorherbestimmung durch Transformation auch für unaufgeschlossene Feldesteile möglich, sofern das Streichen und Einfallen der Gebirgsschichten dort hinreichend genau konstruiert werden kann. Das ist im Steinkohlenbergbau häufig der Fall, da es sich hier meist um Konstruktionen handelt, die sich durch benachbarte Aufschlüsse einengen lassen. Für bankschräge Schlechten und für Klüfte liegen solche Vorherbestimmungen ebenfalls im Bereich des Möglichen. Die Darstellung der gemessenen und der vorherbestimmten Schlechten und Klüfte in Karten bzw. Grubenrissen muß auch dem Techniker ohne Schwierigkeiten zugänglich sein, damit er die bei der betrieblichen Planung zu berücksichtigenden Eigenschaften ohne weiteres daraus entnehmen kann. Hierfür ist eine maßstäbliche Abbildung in Lagediagrammen in richtungstreuer Vertikalprojektion geeignet. Streichrichtungen, Einfallsrichtungen und Einfallswinkel werden dabei, abweichend von bisher üblichen Darstellungsweisen, durch Richtungspfeile und durch perspektivisch gezeichnete geneigte Flächen (Kugelschnitte) wiedergegeben.