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Bewegungsbilder aus der Kohle

Michelau, P.; Teichmüller, R.

Kurzfassung

Makroskopische Beobachtungen (MICHELAU). - Die Flöze Geitling und Kreftenscheer des Eulenbaumer Sattels im Feld der Zeche Friedlicher Nachbar in Bochum-Linden zeigen eine starke, sattelwärts gerichtete Aufschuppung auf beiden Sattelflügeln. Die Kohle erreicht dabei das 3-4fache der normalen Flözmächtigkeit. Diese Spezialverschuppung ist auf den Materialunterschied zwischen Kohle und Nebengestein und das Zusammenwirken von schichtparalleler Gleitung (d. h. dem sattelwärtigen Vorgleiten des Hangenden über dem Liegenden beim Aufwölben des Sattels) und streichenden, flach einfallenden Klüften zurückzuführen. Die mikrotektonische Verformung von Ruhrkohlen (R. TEICHMÜLLER). - Die Kohle folgt bei der Faltung dem Druckgefälle und wird demgemäß in Sattelfirsten und Muldenkernen angereichert. Sie scheint also plastisch zu reagieren. Mikrotektonische Untersuchungen zeigen aber, daß dies in Wirklichkeit nur selten der Fall ist. Meist wird die Kohle bei der Deformation mylonitisiert. "Plastisch" gefaltete Vitritlagen in Brandschiefern lösen sich bei stärkerer Vergrößerung in Schuppen auf bzw. in überschobene Gräben und Horste. Wirklich plastisch reagiert nur der Ton der Brandschiefer. Dabei machen die Unstetigkeitsflächen an den Vitritlagen den Brandschiefer noch beweglicher, als es reiner Schieferton ist. So entstehen in den Hangendschiefern der Flöze große Abscherungen, ohne daß die Kohle selbst plastisch reagierte. Wie in alpinen Braunkohlen, so finden sich aber auch in Ruhrsteinkohlen echte plastische Verformungen. Diese sind auffallenderweise ganz überwiegend an Fettkohle gebunden. Das mag mit deren besonderen physikalischen Eigenschaften zusammenhängen, die ja auch das plastische Verhalten der Fettkohle bei der Verkokung und der bindemittellosen Brikettierung bedingen. Tektonisch deformierte und brikettierte Kohlen sind nach den bisherigen Untersuchungen nicht oder kaum stärker inkohlt als die entsprechenden nicht deformierten Kohlen. Die Faltung förderte im allgemeinen also nicht die chemische Metamorphose, sondern führte nur zu einer physikalischen Neuordnung des Gefüges.