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Zur Gesteins- und Lagerstättenbildung in der östlichen Dillmulde

Lippert, H.-J.

Kurzfassung

Der Eisenerzbergbau des Lahn-Dill-Gebietes geht vor allem auf einem Roteisensteinlager um, dessen Entstehung noch ebenso umstritten ist wie die eines Teiles seiner Begleitgesteine. - Nach AHLBURG, KEGEL, MICHELS u. a. ist dieses Erz als eine exhalativ-sedimentäre Bildung im Zusammenhang mit einem Keratophyr-Diabas-Vulkanismus, der vom unteren Mitteldevon bis ins Unterkarbon dauerte, anzusehen. Nach Ablagerung der Keratophyr-Decken im unteren Mitteldevon kam es danach bis ins untere Oberdevon zu umfangreichen Diabas-Ergüssen und Intrusionen. Durch gleichzeitige starke Explosionen wurde ein vulkanisches Lockergestein aus Teilen des Diabas-Magmas und der durchschlagenen Schichtgesteine gefördert und zu einem überwiegend ungeschichteten, massigen Diabas-Tuff, dem Schalstein, aufgehäuft, der sich örtlich mit Diabas-Laven und nichtvulkanischen Schichtgesteinen verzahnen konnte. Beim vorübergehenden Abklingen dieses vulkanischen Paroxysmus im Geosynklinal-Raum von Lahn und Dill gegen Ende des Mitteldevons wurden durch Exhalationen aus dem Magma eisenreiche Gase frei, die mit dem Meerwasser in Lösung gingen und sich zusammen mit gleichzeitig gebildeten klastischen oder chemogenen Sedimenten als einigermaßen horizontbeständige Eisenstein-Bänke, Schnüre oder Linsen am Meeresboden absetzten. Die verschiedene Ausbildung des Erzes wird dabei erklärt aus dem veränderlichen Chemismus der Gase und unterschiedlichen Sedimentationsbedingungen in einem von zahlreichen größeren und kleineren Becken und Schwellen unterbrochenen Meeresraum, dessen Sedimente infolge dieses lebhaften Bodenreliefs an sich schon erhebliche Fazies-Unterschiede aufwiesen. Die mächtigste Erzbildung fand an der Grenze Mittel-/Ober-Devon statt, als die Lieferung der massigen Diabas-Tuffe aufhörte und die Kalke, Schiefer und meist hervorragend geschichteten Tuffe der Adorf-Stufe sich bildeten. Nach vorübergehender Ruhe wurde der Vulkanismus erneut wirksam im höchsten Oberdevon und im Unterkarbon, wo in der Dasberg-Stufe Bombenschalsteine mit oberdevonischen Kalken als Bomben und im Kulm die örtlich begrenzte Langenaubacher Tuffbrekzie und der Deckdiabas mit brekziösen, schalsteinartigen Grobtuffiten sowie weniger ausgedehnten, geringmächtigen und meist unbauwürdigen Roteisenerz-Lagern dafür zeugen.