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Gesamtwasserwirtschaftliche Probleme in der Schweiz (unter Berücksichtigung der geologischen Verhältnisse)

Schmassmann, Hansjörg

Kurzfassung

Auf verhältnismäßig kleiner Fläche zeigt die Schweiz eine große Mannigfaltigkeit an kulturellen und natürlichen Eigenheiten. So sind denn auch die wasserwirtschaftlichen Probleme in den einzelnen Landesgegenden recht verschiedenartig. Bereits die Verteilung der Niederschläge läßt große Gegensätze erkennen. Auf der Leeseite der Gebirge gibt es Gebiete mit sehr geringen Niederschlägen. So haben einzelne höher als 1000 m ü. M. gelegene Stationen des Wallis und seiner Seitentäler jährliche Niederschlagshöhen von nur 53 bis etwa 95 cm; aber lediglich 20 km von diesem Regenschattengebiet entfernt liegt der Mönchsgrat (3810 m ü. M.), welcher mit 414 cm die größte bisher in der Schweiz gemessene mittlere jährliche Niederschlagshöhe aufweist. Im Hochgebirge fallen die Niederschläge während des Winters in fester Form und werden als Schnee und Eis aufgespeichert. Die alpinen Gewässer haben deshalb während eines großen Teils des Jahres nur einen geringen Abfluß, um dafür während des Sommers um so größere Wassermengen zu liefern. Sie besitzen einen sehr charakteristischen und sich jährlich wiederholenden Gang der Abflußkurve, der durch die meteorologische Eigenart der Einzeljahre verhältnismäßig wenig beeinflußt wird. Ganz im Gegensatz dazu zeigt der Gang des Abflusses in den niederen Gebieten des Landes von Jahr zu Jahr beträchtliche Verschiedenheiten. Immerhin äußert sich im Jura und im Mittelland die hohe sommerliche Verdunstung und Transpiration trotz des während dieser Jahreszeit bestehenden Niederschlagsmaximums meistens in einem Abflußminimum; aber gerade im Sommer können mitunter als Folge wolkenbruchartiger Niederschläge auch die höchsten Hochwasserstände auftreten. Die Verdunstungsgröße nimmt im Hochgebirge nach den Untersuchungen LÜTSCHGS mit zunehmender Höhenlage eindeutig ab. In den tiefergelegenen Gebieten ist die Größe der Landverdunstung auch weitgehend von der Bewaldungsziffer abhängig; sie nimmt dort mit steigender Bewaldungsziffer zu. So sind die als Differenz zwischen Niederschlag und Abfluß berechneten Verdunstungshöhen im stark bewaldeten Juragebirge mit etwa 600 bis 800 mm pro Jahr verhältnismäßig hoch. Die Bildung von Rücklagen in Form von Grundwasser und von Schnee spielt im Wasserhaushalt der als Beispiel eines Juraflusses bearbeiteten Birs eine bedeutende Rolle. Die mittlere Gesamtrücklage in den Monaten September bis März beträgt rund 18% der jährlichen Niederschlagsmenge. Eine Bilanz des Wasserhaushaltes zeigt, daß etwa 3/4 des sommerlichen Abflusses dem Aufbrauch von winterlichen Rücklagen zu verdanken sind.