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Ergebnisse der seismischen Untersuchungen des Erdinnern

Köhler, R.

Kurzfassung

Erdbeben sind in vielen Ländern eine ständige Bedrohung für Leben und Wohlstand der Bewohner, sind aber auch ein Mittel zur Erforschung des Erdinnern. Es gibt nur dieser Weg, aus den großen Tiefen der Erde unmittelbare Kunde zu erhalten. Die Spannungsauslösungen und Bruchvorgänge im Herd eines Erdbebens wurden besprochen und an einem kleinen Modell erläutert. In den meisten Fällen tritt ein sog. Scherungsbruch ein, auch - das ist nachgewiesen - bei Tieferdbeben mit Herdtiefen bis zu 700 km. Der Vortragende zeigte einige kennzeichnende Aufzeichnungen - Seismogramme - und erläuterte die Ausbreitung der Erdbebenwellen an einem Schnitt durch den Erdkörper. Die Grenze des "Erdkerns" in 2900 km Teufe ist heute aus Erdbebenbeobachtungen vieler Stationen mit einer Genauigkeit von 20 km bekannt. Auch schon aus den Aufzeichnungen einer einzigen Station kann man in einfacher Weise Herdlage und Herdzeit erschließen. Die Verfahren und Auswertungsmethoden, deren sich die Erdbebenforschung bedient, wurden eingehend besprochen. Die Geschwindigkeit der elastischen Wellen und damit mittelbar die stoffliche Zusammensetzung im Erdinnern konnten aus Erdbebenbeobachtungen erschlossen werden. Das Für und Wider der neueren Theorien der Zusammensetzung des Erdkerns wurde dargelegt. Die geographische Verteilung der Erdbebenherde gibt Aufschluß über den Bau der "Erdkruste" bis in große Teufen von über 100 km. Für die oberen 30 km der Erdkruste leiten sich unsere Kenntnisse aus den seismischen Beobachtungen bei großen Sprengungen ab, wie z. B. bei der Helgolandsprengung am 18. April 1947. Wir wissen heute mit Sicherheit, daß unter den Sedimenten eine "granitische" Schicht mit örtlich wechselnder Mächtigkeit liegt, deren Wellengeschwindigkeit im Mittel 5,9 km/s beträgt. Sie wird abgelöst durch eine "gabbroidische" Schicht mit der Wellengeschwindigkeit 6,5 km/s. Unter dieser Gabbroschicht folgt - in Mitteleuropa in 25 bis 35 km Teufe - eine "Peridotit" schicht mit der Wellengeschwindigkeit 8,2 km/s. Die Ergebnisse der Großsprengungen werden an Lichtbildern erläutert.