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Nachtrag zu den wissenschaftlichen Ergebnissen der Deutschen Grönlandexpedition ALFRED WEGENER

Brockamp, Bernhard

Kurzfassung

Bei der barometrischen Höhenberechnung der Expeditionsroute fallen für Eismitte (3033 m) auch die Monatsmittel der Temperatur für die freie Atmosphäre an (Oktober bis April -25° gegen -39° beob.; Mai-September -11° gegen -17° beob.). Die Firn- und Lufttemperaturen zeigen, daß ein zentrales Kältegebiet nicht vorhanden ist. Der Temperaturgradient beträgt nach Firntemperaturen 1°, nach beobachteten Temperaturen 0,92° und nach berechneten 0,55°/100 m. Ein schwaches Hochdruckgebiet (~ 2 mm) ist über dem Inlandeis vorhanden. - Die Mächtigkeit des Firns ergibt sich nach seismischen Messungen zu 50 m bei km 42; zu 100 m bei km 62, zu 150 m bei km 120 (auf ~ 350 m in Eismitte extrapoliert). Die Geschwindigkeit der Schallwellen in Eis verschiedener Temperatur (0° bis -10°) führt auf eine Temperatur von -18° in 150 m Tiefe. Aus diesen Temperaturen ist auf eine Schmelzschicht an der Basis des Inlandeises geschlossen (bei km 120 Eisdicke 1800 m), die den aus der Erde stammenden Wärmestrom abriegelt und zum Schmelzen von 1/2 cm Eis im Grunde des Inlandeises führt. Bei kleinem Erdstrom sind große Eisdicken negativer Temperatur möglich, bei großem Erdstrom kleine. Aus Righeit und Viskosität des Eises (0° und -18°) folgt, daß Eis von -10° etwa 10 mal mehr Zeit benötigt, um die gleiche Verformung zuwege zu bringen wie Eis von 0°. Die Oberflächenformen des Inlandeises werden im einzelnen behandelt. Die Morphologie des Felsuntergrundes spiegelt sich etwa im Verhältnis 1:10 in der Eisoberfläche wider. Große Weitungen und Täler sind unter dem Inlandeis nicht möglich. Die auf die neuen Höhen reduzierten Schwerewerte zeigen, daß von Uokussigsat (30 km vor dem Eisrand) bis km 120 die BOUGUERsche Anomalie gleich groß ist (~ 45 mgal). Für km 300 folgt eine Eismächtigkeit von ~ 3000 m.