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Zum Problem der Genesis der Eisenmeteorite im Zusammenhang mit der LEWIS'schen Hypothese

Efremov, N.

Kurzfassung

Der bekannte amerikanische Chemiker G. N. LEWIS (1934) hat eine interessante Konzeption der Genesis der Steinmeteorite im Aspekte der Kernumwandlungen vorgeschlagen. Es ist beachtenswert, daß danach die Steinmeteorite von der Erde und vielleicht von dem Sonnensystem unabhängige Himmelskörper sind. LEWIS versucht, die ganze Mannigfaltigkeit der komplizierten und verschiedenartigen chemischen Elemente aus einer kleinen Zahl von Grundelementen - und zwar aus Chrom, Eisen, Mangan, Kobalt, Nickel, d. h. aus den zentralen Elementen des periodischen Systems - abzuleiten. Nach LEWIS sind die leichten Elemente Produkte der Spaltung einiger Kerne der Elemente der Eisenfamilie, z. B.: Fe → Al + Al ⇐> 26 = 13 + 13; Ni → Si + Si ⇐> 28 = 14 + 14; Fe → Ar + O ⇐> 26 = 18 + 8; Cr → Mg + Mg ⇐> 24 = 12 + 12. In seiner scharfsinnigen Erklärung des genetischen Zusammenhanges zwischen den Stein- und Eisenmeteoriten nimmt LEWIS an, daß dieser Zusammenhang auf dem Zerfall der Kerne Fe, Ni, Cr, d.h. der wichtigsten Komponenten der Eisenmeteoriten, beruhe. Als Ergebnis dieses Zerfalls entstehen die leichten Elemente (Mg, Si, O u. a.), aus welchen die Steinmeteorite bestehen. Es gibt jedoch Tatsachen, die der LEWIS'schen Hypothese widersprechen. 1. Es ist heutzutage außer Zweifel, daß Steinmeteorite viel häufiger als Eisenmeteorite sind. Es ist daher schwer denkbar, daß Fe, Ni, Cr Ausgangselemente für Mg, Si, Al und O sein sollten. 2. Die Rolle der Elemente Fe und Ni kann gar nicht so groß sein, wie man früher dachte, Überlegungen von KUHN & RITTMANN u. a. haben es in überzeugender Weise gezeigt. Schon der Vergleich des Chemismus der Erde, der Meteoriten und der Sonne, den KUHN & RITTMANN (1937) anführen, zeigt die vorherrschende Rolle von Mg, Si und O neben H und He in der Zusammensetzung der Sonnen- und der Sternatmosphäre. 3. Die Hypothese von LEWIS ist nicht imstande, die Entstehung der Platinmetalle sowohl in den Eisenmeteoriten wie auch in den hyperbasischen Magmen zu erklären. 4. Diese Hypothese kann auch die überraschende Ähnlichkeit der chemischen Zusammensetzung der Steinmeteorite und des hyperbasischen Magmas nicht erklären. 5. Beim Zerfall solcher Kerne, wie Cr, Fe, Ni, müßten seltene schwere Isotope des Mg, Al, Si entstehen. Die Mischung der Isotope des Mg, Si und Al in der chemischen Zusammensetzung der Steinmeteorite ist aber genau dieselbe wie die Isotopenmischung des Mg, Al und Si in der Zusammensetzung der Hyperbasite. Weder in diesen noch in jenen hat man seltene oder radioaktive Isotope gefunden.