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Die thermometrische Bedeutung von Enstatit-Olivin-Hornfelsen im Kontaktbereich des Steinwald-Granits in der Oberpfalz

Matthes, Siegfried

Kurzfassung

Ein wichtiges Forschungsziel auf dem Gebiete der Gesteinsmetamorphose ist die weitgehend quantitative Festlegung bestimmter Umwandlungsvorgänge des Mineralinhalts metamorpher Gesteine nach der physikalisch-chemischen Seite hin durch Realisierung vergleichbarer Verhältnisse im Experiment. Wir sind heute noch sehr weit von diesem Ziele entfernt. Auch für einfachere Stoffsysteme der "statischen Thermometamorphose" (Kontaktmetamorphose) und isochem verlaufende Mineralumwandlungen und Reaktionen können bisher die jeweils erforderlichen Temperatur-Druck-Kombinationen nur für sehr wenige Fälle experimentell verwirklicht werden. In den wenigen Fällen aber, wo diese sich verwirklichen lassen, ergeben sich einzelne mehr oder weniger brauchbare thermometrische Fixpunkte für die vergleichbaren Verhältnisse in der Natur. Ihre brauchbare Verwendung als "geologische Thermometer" setzt u. a. insbesondere voraus, daß die betr. Umwandlungstemperaturen höchstens unwesentliche Druckabhängigkeiten auf weisen; denn die zugehörigen Druckbedingungen sind in den meisten Fällen nur relativ grob aus einer abgeschätzten Tiefenlage der Metamorphose (in bezug auf die Erdkruste) zu ermitteln. Quantitative Temperaturangaben für die Bildung von Kontaktfelsen im Plutonit-Kontakt sind wohl zuerst von V. M. GOLDSCHMIDT vor fast 40 Jahren gemacht worden im Rahmen seiner Untersuchung über die "Kontaktmetamorphose im Kristianiagebiet". GOLDSCHMIDT hat damals auf Grund der ausgebliebenen Umwandlung von Wollastonit - Pseudowollastonit (Umwandlungspunkt 1180° C) in den betreffenden Kontaktgesteinen der innersten Kontaktzone die erreichten Temperaturen zwischen 1000 und 1200° C angenommen. Spätere grundlegende Überlegungen P. NIGGLIS über die Kristallisationstemperaturen von Magmen ließen jedoch solche hohe Temperaturen innerhalb der Kontaktaureole von Plutoniten als unwahrscheinlich erscheinen und machten eher Temperaturen wesentlich unter 1000° C im Maximum glaubhaft.