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Vulkanische Kessel in Südabessinien

Teuscher, E. O.

Kurzfassung

Gebilde wie das Nördlinger Ries regen zum Vergleich mit anderen Großformen an, deren Genese deutlicher erscheint. An Farbaufnahmen aus Abessinien lassen sich die Erscheinungen des dortigen tertiären bis rezenten Vulkanismus erläutern, insbesondere auch seine Beziehungen zu den ostafrikanischen Grabenbrüchen. Vulkanische Strukturen, die nicht mit Lavaproduktion verknüpft sind - Explosionskrater und Kessel - mögen auch in Abessinien in gewisser Anzahl vorhanden sein, sie sind aber wohl größtenteils unter den mächtigen übereinandergeschichteten Decken von Basalten bis Trachyten verhüllt worden. Die Aussicht, nicht mit Lavaeffusionen verknüpfte und nicht von Lava ausgefüllte vulkanische Hohlformen zu finden, besteht vor allem in der Paßregion Südabessiniens, zwischen der großen Nubischen (abessinischen) Aufwölbung im Norden und der in Kenia beginnenden Ostafrikanischen Aufwölbung im Süden. In dieser Zone finden wir das Kristallin (große Granitmassive, an deren Rande gelegentlich noch Mischgneiszonen erhalten sind) in Höhenlagen von 1500-1000 m und gelegentlich noch niedriger, es sind nur einzelne vulkanische Zentralkegel und unzusammenhängende Lavadecken aufgesetzt. In dieser Paßregion, etwa 100 km N von Moyale (Kenia), findet sich bei Mega die bekannte Saline am Grunde des kreisrunden Schußtrichters "El Sod". Von keiner Vegetation verhüllt bietet sich ein Bild eines Gasmaars, dessen Grundriß und Aufriß skizziert worden sind (s. Abb.!); über dem durchschlagenen Kristallin sind 40-50 m mächtige Tuffe aufgeschüttet, deren klastische Bestandteile von oben nach unten Zunahme der Korngrößen zeigen im Sinne einer Windsichtung des herabgefallenen Auswurfmaterials (von Sanden bis zu tonnenschweren Blöcken). Das in den Auswürflingen vorliegende Kristallin zeigt einen auffallenden Typenreichtum: er ist ebenso groß wie die gesamte Mannigfalt, die in dem über 100 km langen Nord-Süd-Profil Foresta Finchoa-Javello-Mega (quer durch die Paßregion) beobachtet werden konnte, wo zahlreiche Erhebungen von 2000-3000 m vorhanden sind. Das "Schußprofil" von "El Sod" läßt in seinen Auswürflingen sofort erkennen, daß eine mächtige Serie von Gneisen mit eingeschalteten basischen Varianten (teilweise oder ganz amphibolitisierte Plagioklas-Pyroxen-Gesteine) und mit granitischen Einschüben bis Injektionen (Mischgneise mit lagenweise leukogranitischer Zusammensetzung) durchschlagen worden ist.