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Erkennbarkeit fossiler Brackwasserabsätze

Schmidt, Hermann

Kurzfassung

Es gibt fossile Brackwasserfaunen, die allgemein als solche anerkannt werden. In anderen Fällen sind die Meinungen geteilt, man findet in einschlägigen Berichten viel Zurückhaltung, und auch ich habe den Salzgehalt als einen ökologischen Faktor von sekundärer Bedeutung bezeichnet (SCHMIDT 1935, S. 11). Indessen lohnt sich eine Prüfung dieser Frage wohl: da die stärkste Sedimentation an den Flußmündungen erfolgt, muß der Anteil der Brackwasserablagerungen an den Serien der Erdgeschichte ziemlich groß sein, weit größer jedenfalls als der Anteil der Brackwassergebiete an der Erdoberfläche. Vermindert werden die Brackwasserbereiche einerseits in aridem Klima: Starke Verdunstung und Verminderung der Zuflüsse können auch in einem Flußmündungsgebiet übersalzene Lagunen zur Folge haben. Die Wahrscheinlichkeit, daß Brackwasserablagerungen in naher Nachbarschaft mit Salz, Gips öder Dolomit angetroffen werden, ist im allgemeinen gering; immerhin gibt es auch heute Beispiele, etwa die Salzlagunen der Krim an der Küste des brackischen Asowschen Meeres. Andererseits können Meeresströmungen, die ein Flußmündungsgebiet berühren, die Untermischung des Flußwassers so beschleunigen, daß keine Brackwasserbereiche zustande kommen. Die Erkennbarkeit fossiler Brackwasserfaunen kann erschwert sein durch andere, stärker wirksame Faktoren. Bei der Beschreibung der adriatischen Lagunen hat CORI (1910, S. 7) die Wasserbewegung, die Sauerstoffzufuhr und die Wärmeschwankung genannt. Da oft die von den Flüssen mitgebrachte organische Substanz sehr reichlich vorhanden ist (Eutrophie) und zu starkem Sauerstoffverbrauch führt, kann ein ökologisch sehr wirksamer Mangel leicht auftreten. Er wird verstärkt, wenn das Süßwasser überschichtend statt beigemischt zum Meereswasser hinzutritt. Dann wird die im Süßwasser geringere Diffusion des Sauerstoffs wirksam. Solche Überschichtung tritt besonders dann ein, wenn das Süßwasser wärmer ist als das Meerwasser. Sie wird in den adriatischen Lagunen erst durch die Herbststürme zerstört.