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Zur Altersfrage der Hauptkieselschiefer LOSSENs im Unterharz

Schriel, Walter

Kurzfassung

Wenn wir von den Schichten des Acker-Bruchberg-Quarzits und denen des Tanner Systems absehen, die beide eine fazielle Sonderstellung einnehmen, so kennen wir im Unterharz sicheres Unterkarbon in der Fazies des Kulms von folgenden Gebieten: 1. Elbingeröder Mulde: Kulmkieselschiefer: Büchenbergfazies (Fauna); Kulmtonschiefer (Fauna); Kulmgrauwacke (Flora). 2. Wernigerode, Ilsenburg: Ilseufer, Fuß des Kammerberges, Wernigeröder Schloßberg; Kulmgrauwacke (Flora). 3. Sieber-Mulde: Kulmgrauwacke (Flora). Zum Kulm gerechnet werden lt. der offiziellen Karte der Geologischen Landesanstalt: a) die Kieselschiefer der Elbingeröder Mulde (Ahrendfelder Fazies) b) die Grauwacken und Kieselschiefer der Südharzmulde sowie die Tonschiefer im normalen Hangenden des Hauptkieselschiefers; ferner c) die gleichen Gesteine der Selkemulde, die ein Spiegelbild der Südharzmulde darstellt. Die Kieselschiefer an der Basis der Tanner Grauwacke, im Gebiet von Lauterberg, werden dem Oberdevon zugezählt; die Kieselschiefer von Wernigerode, im sog. Wernigeröder Silur, galten früher als silurisch, jetzt allgemein als oberdevonisch. Die Kieselschiefer des metamorphen Höhenzuges von Wippra dürften kambrisches oder algonkisches Alter besitzen. Neben diesen selbständigen Kieselschieferstufen kennen wir im Obersilur, Unter- und Mitteldevon geringmächtige Kiesel- und Wetzschiefereinlagerungen, ähnlich wie beispielsweise Grauwackeneinlagerungen in den gleichen Schichten auftreten können. Sie haben aber für die Stratigraphie im großen kein besonderes Interesse. Durch LOSSEN (vgl. die LOSSENsche Harzkarte 1:100 000) wurde im Unterharz die Hauptmasse des Kieselschiefers als "Hauptkieselschiefer" ausgeschieden und zum Unterdevon gerechnet. Es sind dies: 1. die Kieselschiefer der metamorphen Zone von Wippra, 2. die Kieselschiefer in der Umrandung der Selke-, Elbingeröder und Südharzmulde. Die Kieselschiefer des Wernigeröder Kulms und "Silurs", die Kieselschiefer des Sieberkulms, die Kieselschiefer der Tannergrauwacke bei Lauterberg sah LOSSEN als Einlagerungen in seinen Wieder Schiefern, d. h. als gleichfalls unterdevonisch, an und bezog sie nicht auf die jetzt als Unterkarbon angesehenen, mit ihnen in Verbindung stehenden Grauwacken, die er zum Tanner System und damit also entsprechend seiner Auffassung zu den ältesten Schichten im Harz überhaupt rechnete. Die Grauwacken der Elbingeröder Mulde, der Selke- und Südharzmulde wurden von LOSSEN als Elbingeröder Grauwacke zum Unterdevon gestellt.