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Über das Kellerwaldsystem

Schwan, Werner

Kurzfassung

I. Einführung Der 14 km lange und etwa 3 km breite Kellerwaldrücken südlich Bad Wildungen setzt sich aus einer Serie von Quarziten, Grauwacken, Kiesel- und Tonschiefern zusammen, die petrographisch ganz abweichend von den übrigen Ablagerungen im Kellerwald ausgebildet und sehr fossilarm ist. DENCKMANN (1901) hat diese Gesteinsfolge erstmalig gegliedert und "System des Kellerwaldquarzits" genannt. Das Kellerwaldsystem bildet einen Teil jenes langen, aber schmalen, häuptsächlich aus hellem Quarzit aufgebauten Gesteinszuges, der sich von der Hörre im Westerwald über den Wollenberg bei Marburg, den Kellerwald und Harz-Acker-Bruchberg und Ilsenburg - bis über die, Elbe bei Magdeburg verfolgen läßt, heute aber nur noch in den wenigen, stark hervortretenden Vorkommen zutage liegt und sonst auf weite Strecken von jüngeren Schichten verdeckt ist (Abb. 1). Nach den beiden Hauptvorkommen kann man den gesamten Gesteinszug als Acker-Kellerwaldsystem bezeichnen. Da diese Gesteinsserie lange Zeit fast gar keine Anhaltspunkte zu einer zeitlichen Einordnung und Einteilung bot, wurde sie recht Verschieden gedeutet; silurisches bis unterkarbonisches Alter ist angenommen worden (SCHWAN 1950, Abb. 1). Während nun die Einstufung des Acker-Kellerwaldsystems in toto an die Devon-Karbonwende seit 1925 durch GOTHAN, H. SCHMIDT und CORRENS gesichert ist, konnte bisher über die Altersfolge der Schichten innerhalb des Systems und damit über dessen tektonische Verhältnisse ähnlich wie im Harz auch im Kellerwald keine einheitliche Auffassung erzielt werden. Zu diesem Problem ist im folgenden in Bezug auf den Kellerwald Stellung genommen; auch auf die Bildungsbedingungen der Acker-Kellerwaldschichten soll näher eingegangen werden. Die Ausführungen stützen sich auf Spezialaufnahmen und Vergleichsbegehungen, die im Frühjahr 1950 in Fortsetzung von Arbeiten bei Ilsenburg und am Acker-Bruchberg durchgeführt wurden.