Original paper

Über den Bau der Südwestdeutschen Großscholle

Carlé, Walter

Kurzfassung

Grundlage dieser Arbeit ist die Geotektonische Übersichtskarte der Südwestdeutschen Großscholle (1950 b). Karte und Erläuterungen wurden bewußt von allen hypothetischen Folgerungen freigehalten und sollen im wesentlichen nur die durch Beobachtung erreichbaren Tatsachen bringen. Die Karte bietet die zeichnerische Grundlage für die Abbildungen dieses Aufsatzes, in dem nun eine Reihe von Folgerungen gezogen werden sollen. Auf den wenigen Seiten ist es nicht möglich, eine bis ins einzelne gehende Begründung der vorgetragenen Ansichten zu geben; dies wird in einer in Niederschrift befindlichen größeren Abhandlung geschehen, in der ein Gesamtbild der Scholle entwickelt und die ein umfassendes Schrifttumsverzeichnis von über 800 Nummern enthalten wird. Daher werden hier nur ganz wenige Arbeiten genannt; Aufsätze des Verfassers sind nur als Jahreszahl angegeben. I. Geometrische Analyse Von allen Großschollen des mitteleuropäischen Bodens hat die Südwestdeutsche Großscholle den klarsten Umriß (1950 b, Abb. 7), nämlich ein gleichschenkliges Dreieck, dessen Schenkel etwa 450 km und dessen Basis rund 500 km lang sind. Eine geometrische Analyse ihres Baues zeigt, daß die Masse des Schwarzwald-Schildes und der stark in Teilschilde aufgelöste Hessische Schild den W- und N-Teil, die kleine Frankenalb-Mulde und die sehr große Molasse-Mulde den O- und S-Teil beherrschen. Diese vier Hauptelemente umschließen ein Gebiet mittlerer tektonischer Höhenlage im Scholleninneren, dessen Kern der Fränkische Schild ist. Die Großwellen streichen jeweils parallel dem benachbarten Schollenrand. Bereiche höchster Hebung sind häufig unmittelbar benachbart den Gebieten tiefster Versenkung. Die Randwellen sind ungleich stark mit Gebilden anderer Richtung vergittert; am stärksten ist der Hessische Schild durch herzynische Querwalmungen zerlegt. Im Inneren der Scholle scheinen sich die einzelnen Richtungen gleichberechtigter zu vergittern.