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Die Fortsetzung der Endmoränen am Boden der Nordsee

Pratje, Otto

Kurzfassung

Während der Saale-Eiszeit und der Weichsel-Eiszeit sind große Teile der Nordsee nicht vom Meere überflutet gewesen, denn die Holsteinsee drang in der ersten Interglazialzeit vor und zog sich vor der Saale-Eiszeit noch wieder zurück. Im zweiten Interglazial war das Eemmeer eine entsprechende vorübergehende Erscheinung, und die heute noch andauernde Überflutung setzte erst in der Nacheiszeit vor etwa 10 000 Jahren ein, soweit das Gebiet südlich der Doggerbank und der Jütlandbank in Frage kommt. Die Norwegische Rinne war schon früher und länger Meer, wenn auch wohl mit veränderten und möglicherweise geringeren Tiefen. In dieses zum europäischen Festland gehörige Gebiet stießen die nordischen Eismassen vor und müssen dort genau so wie auf dem heute noch aufgetauchten Festland Endmoränenstaffeln hinterlassen haben. Die äußersten Endmoränen der Saale-Eiszeit liegen südlich der heutigen Südküste der Nordsee und damit außerhalb unseres Betrachtungsgebietes. Einzelne Rückzugsstaffeln können gegebenenfalls noch Reste am Nordseeboden hinterlassen haben. Da diese Bildungen schon auf dem festen Lande nur sehr fragmentarisch erhalten sind, kann man am Meeresboden noch viel weniger erwarten. Es ist möglich, daß Vlieland-Riff und Borkum-Riffgrund hierher gehören, zusammenhängende Zonen sind jedoch nicht bekannt. Die Endmoränen des Warthe-Stadiums und der Weichsel-Eiszeit sind am besten ausgebildet und durchweg als geschlossene Züge erhalten und es wäre verwunderlich, wenn davon am Meeresboden keine Reste übriggeblieben wären, zumal die Überflutung verhältnismäßig rasch erfolgte. Für die Strecke von der Doggerbank bis zu den heutigen Geesthöhen dürfte das vordringende Meer etwa 2000 Jahre gebraucht haben, das sind im Durchschnitt 150 m im Jahre. Das ziemlich rasch steigende Wasser dürfte dabei nicht immer in der Lage gewesen sein, die Endmoränenhöhen völlig aufzulösen, wenn sie auch aus Lockermaterial, aus Geschiebelehm, glazialen Sanden und Steinpackungen bestanden. Gerade der Geschiebelehm ist ziemlich widerstandsfähig, wie uns die Steilküsten der Ostsee heute immer wieder zeigen.