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Über Riffkalke

Vortisch, W.

Kurzfassung

Der weiße Riffkalk des alpinen Ober-Rhät geht durch Abnahme der Bankmächtigkeit, Vermehrung toniger Zwischenlagen, Zunahme des Tongehaltes und Dunklerwerden der Farbe in den sog. Kössener Kalk über (vgl. VORTISCH 1926, S. 44 ff., Abb. 4, Tafel 1; 1927, S. 99-105, Abb. 2-4; 1930, S. 467 ff., Abb. 2). Ganz ähnliche Faziesverknüpfung zeigen auch Hochgebirgsriffkalk und Dachsteinkalk oder Aflenzer Kalk, Wettersteinkalk und Guttensteiner oder Reiflinger Kalk, Schlerndolomit und Cassianer Mergel, Marmolatakalk. Auch im böhmischen Paläozoikum ist sie vorhanden (VORTISCH 1930, S. 471-473). Die mikroskopische Untersuchung des oberrhätischen Riffkalkes und seiner Äquivalente hat nun ergeben, daß diese Gesteine aus kleinen rundlichen Körpern dichteren Calcits (Durchmesser von 60 µ ufwärts) mit einem Bindemittel aus gröberem Calcit bestehen. Demgegenüber treten direkt deutbare organische Reste, wie Korallen und ihre Bruchstücke, Echinodermenelemente, Foraminiferen usw., mengenmäßig in den Hintergrund. Ich nannte diese Textur subklastisch und deutete sie (1926, S. 38) als durch Aufarbeitung von etwas verfestigtem Schlamm entstanden. Schliffe der genannten Faziesreihen erwiesen die weite Verbreitung der subklastischen Textur in der alpinen Trias. Dagegen konnte sie im böhmischen Paläozoikum bisher nicht aufgezeigt werden, vielleicht wegen der hier weiter fortgeschrittenen Diagenese in der Richtung auf Vergröberung des Kornes, welcher diese feinen Strukturen zum Opfer gefallen sind. (Meine Schliffe sind in Prag z. Z. nicht auffindbar.) Die subklastische Textur ist nach Mitteilung von Kollegen auch in tertiären Riffkalken verbreitet und wurde dort so wie von mir gedeutet. Wir haben somit eine in Riffkalken und ihren Begleitern allgemeine Erscheinung vor uns. Die Entstehung des Kalkes der Riffe geht zwar auf Organismentätigkeit zurück. Da aber deutbare organische Reste in den Hintergrund treten, muß er die organische Struktur vordiagenetisch verloren oder nie besessen haben. Zum Vergleich sei an die Seekreide erinnert, welche von Spaltalgen, Characeen usw. gebildet und rasch strukturlos wird (PIA 1926, S. 45, 46). Auch an der Entstehung der Riffkalke wird den Kalkalgen vielfach der Hauptanteil zugeschrieben.