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Junge Bewegungen an alten Schwächezonen im Landschaftsbild

Sobotha, Ernst

Kurzfassung

Auffällige Hohlformen im Relief, z. T. mit jungen Lockermassen erfüllt, finden sich an altangelegte Störungslinien gebunden. Ziel der Untersuchung ist die Überprüfung, ob hier reine Ausräumungsformen vorliegen, die durch das Auftreten wenig widerstandsfähiger Gesteinsschichten oder durch die Zerrüttung im Bereich der Störungszone bedingt sind, oder ob hier nicht Junge Bewegungen einen immer wieder auflebenden Ausgleich altangelegter Spannungen an Schollengrenzen sichtbar machen. In der Bretagne boten vorzügliche Aufschlüsse die Gelegenheit, Verwitterungs- und Zersatztiefen in ihrer Verbindung mit Abtragung und Oberflächenformen zu untersuchen, und zugleich konnten die Beziehungen zur Tektonik geprüft werden. Einzelheiten hierüber erscheinen an anderer Stelle. Das an Granitintrusionen reiche Gebiet metamorpher Gesteine in der südlichen Bretagne zeigt Einmuldungen im Verlauf einer Hauptstörungslinie und in der südlichen Scholle begrenzte Einsenkungen vom Odet bis zum Lac de Grand-Lieu, in denen sich tertiäre und quartäre Ablagerungen finden und die z. T. durch Absenkung unter den Meeresspiegel kamen. Bemerkenswert ist, daß "pliozäne" Kiesablagerungen auffällig wenig Beziehungen zu den älteren wie jüngeren Beckenbildungen haben. Der Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges zeigt gleichfalls Senken und Becken im Verlauf einer schon im Silur durch Faziesunterschiede angedeuteten Grenzlinie, der zur Zechsteinzeit der Küstenverlauf folgte. Heute liegen im Zuge der Störungen an Itter wie Twiste Eintiefungen, eine ganz besonders eigenartige Bildung sind die "Randsenken" rings um die Frankenberger Bucht. Es zeigt sich, daß Schollengrenzen ganz besonders und immer wieder auch an der Erdoberfläche Bewegungen in der Tiefe erkennen lassen.