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Beziehung zwischen Bruchschollengebirge und Faltengebirge

Klüpfel, Walter

Kurzfassung

Bisher ist die Bruchschollenbildung des stabilen Bereichs vielfach als ein mechanisches und zeitliches Äquivalent der Faltung des mobilen Bereichs gedeutet worden (STILLE) bzw. als eine Fortsetzung der Faltung mit anderen Mitteln (H. CLOOS). Als Übergang der beiden Typen wurde die Bruchfaltung betrachtet. Im Gegensatz dazu hat SCHUH die Bruchfaltung in zwei Phasen zerlegt: erst Bruchbildung, dann Faltung, und HAARMANN lehnte es ab, das Bruchschollengebirge durch Kompression entstehen zu lassen. Da auch heute noch in der Abgrenzung der tektonischen Grundbegriffe erhebliche Unklarheiten bestehen, soll der Versuch gemacht werden, auf Grund der Datierung der einzelnen Vorgänge eine Klärung herbeizuführen. Die dauernde Wiederholung der tektonischen und magmatischen Vorgänge in der Erdgeschichte und die Wahrung ihrer Reihenfolge führte mich zu der Aufstellung des Geologischen Einheitszyklus mit der Stadienfolge: 1. Säkulare Senkung, Sedimentation, Tiefendehnung, Tuffexplosionen. 2. Vertikaltektogenese ohne Magmatismus. 3. Horizontale Dehnung, Aufstieg und Intrusion der vulkanischen Schmelzen. 4. Faltung, Tiefenplutonismus. 5. Säkulare Hebung, Diapirgranite. 6. Pseudovulkanite plutonischer Abstammung. 7. Spätvulkanite. - Der Zyklus enthüllt die üblichen groben Datierungsfehler, wie die Verlegung der vulkanischen Schmelzen ins Senkungsstadium, das Zusammenwerfen der plutonischen Quarzporphyre mit den vulkanischen usw. Es gibt zwei Typen der Zyklusbildung; eine für den mobilen und eine für den stabilen Bereich. Da sich in der Regel mehrere Zyklen überlagern, sind komplexe Gebiete nur dann für eine Analyse geeignet, wenn die Alterskriterien eine Isolierung der Einzelvorgänge und eine Beschränkung auf einen Einheitszyklus gestatten. Unsere Analyse bezieht sich auf die Stadien der Sedimentation und der Faltung. Wir betrachten I. den mobilen Bereich des Mesozoikums (Beispiel: Lothringer Jura, Weserkette) und II. den stabilen Bereich (Beispiel: Hessische Tertiärsenke). Beide Typen sollen miteinander verglichen werden.