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Spaltenfüllungen als Lagerstätten fossiler Landwirbeltiere

Dehm, Richard

Kurzfassung

Durch bedeutsamen Gehalt an Resten fossiler Landwirbeltiere haben in letzter Zeit die lehmig-sandig-kalkigen Füllungen von Spalten in verkarsteten Kalksteingebieten die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt: die erste paläozäne Landfauna Deutschlands von Walbeck, südöstlich des Harzes, miozäne Pliopithecusfunde bei Neudorf a. d. March, rhätisch-liassische Ictidosaurier und Säuger in Mittelengland, frühpleistozäne Menschenaffen in Südafrika, einige äußerst reiche oligozäne und miozäne Säugerfaunen im Schwäbisch-Fränkischen Jura. Dieser Typus von Fossillagerstätten weist mehrere für die Paläontologie wichtige Besonderheiten auf. Die Landwirbeltierreste sind in ihnen oft auf engstem Raum konzentriert, Zehntausende von Knochen und Zähnen in wenigen Kubikmetern. Zwei Gegebenheiten wasserführender Vertiefungen in Karstflächen scheinen sich in ihrer Wirkung vereinigt zu haben: einmal die Anziehungskraft einer Tränkstelle auf Bewohner eines Trockengebietes und zweitens die Möglichkeit rascher Einbettung der Reste verendeter und geschlagener Tiere in den Karsthohlraum des unmittelbaren Untergrundes. Mit der oberflächennahen Entstehung hängt eine zweite Eigenart solcher Massenvorkommen zusammen, nämlich die anscheinend sehr kurze Dauer ihrer Entstehungsvorgänge, sowohl der Anreicherung der Reste auf der Karstoberfläche als auch ihr Transport in die unterirdischen Räume. Während im vergangenen Jahrhundert die Auffassung herrschte, es seien in den Spalten Tierreste aus verschiedenen Tertiär- und Pleistozänstufen miteinander vermischt, als hätten die Spalten lange Zeiträume hindurch offen gestanden, hat das sorgsamere Bergen von Spaltenfunden in den letzten Jahrzehnten zur Überzeugung geführt, daß es überhaupt keine Mischfaunen in Spalten gibt, ja, daß eine Anzahl von Spaltenfaunen einen ganz eng begrenzten zeitlichen Abschnitt darstellen, z. B. Gaimersheim bei Ingolstadt älteres Chattium, Wintershof-West und -Ost bei Eichstätt älteres Burdigalium. Wenn auch den Spaltenfüllungen ein stratigraphischer Verband fehlt und ihr Alter nicht aus Hangendem und Liegendem bestimmt werden kann - abgesehen davon, daß sie jünger sein müssen als das spaltenbildende Gestein -, so wiegt dieser Nachteil die Schärfe des zeitlichen Ausschnittes auf.