Original paper

Über oberkarbonische Korallen und ihren Einsatz als Leitfossilien

Schindewolf, O. H.

Kurzfassung

Dem Vortrag liegt ein reiches Korallenmaterial zugrunde, das im wesentlichen von M. SCHWARZBACH im Namur (Randgruppe) Oberschlesiens und Südwestpolens aufgesammelt und dem Redner in selbstloser Weise zur Bearbeitung überlassen wurde. Es entstammt zur Hauptsache zwei Horizonten und Fundpunkten: dem marinen Horizont I b der Oehringen-Grube und dem Horizont VII der Concordia-Grube. SCHWARZBACH hatte diese Korallen im Rahmen seiner "Biostratigraphischen Untersuchungen im marinen Oberkarbon Oberschlesiens" bereits kurz berücksichtigt und vorläufig als 2 verschiedene Arten von Zaphrentis bestimmt. Es handelt sich in der Tat um Zaphrentoiden, um Verwandte der selbst nicht vertretenen Gattung Zaphrentis (recte: Zaphrentoides). Im Gegensatz zu den gewöhnlichen hochdifferenzierten, paläontologisch leicht faßbaren und stratigraphisch gut einsatzfähigen Riffkorallen sind die Zaphrentoiden eine einfach organisierte, merkmalsarme und wegen ihrer Indifferenz schwierig zu handhabende Korallengruppe, die allein unter den ungünstigen Lebensbedingungen der marinen Ingressionen im paralischen Oberkarbon zu existieren vermochte (Cyathaxonia-Fauna D. HILLS). Nach einem früheren Zeugnis von G. DELÉPINE sollen sie stratigraphisch wertlos sein; eine eingehende Untersuchung dieser oberkarbonischen Korallen ist allerdings noch niemals durchgeführt worden. Die Bearbeitung der schlesischen Formen enthüllte nun überraschenderweise eine große Fülle von durchgreifenden morphologischen Unterschieden, so daß die von SCHWARZBACH vermuteten beiden Arten auf nicht weniger als 5 Gattungen (Plerophyllum, Pentaphyllum, Fasciculophyllum, Claviphyllum und ein neues Genus) mit 7 Arten verteilt werden müssen. Mit ihrer Hilfe lassen sich Fixpunkte in der Serie der marinen Horizonte festlegen, die zur Gliederung und zu Parallelisierungen dienen können. Allerdings haben wir es hier nicht mit Zonen zu tun, da den sporadischen Vorkommen keine Anhalte über die Lebensdauer der Arten zu entnehmen sind, sondern nur mit Lagern, d.h. mit geologisch bzw. ökologisch bedingten Ausschnitten aus den unbekannten wirklichen vertikalen Verbreitungsbereichen der Arten.