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Geologische Beobachtungen beim Bau und Betrieb der Krombachsperre bei Mademühlen (Dillkreis)

Teike, M.

Kurzfassung

Der Rehbach, der an der Ostseite des hohen Westerwaldes in 550 m ü. NN entspringt, hat bis zu seiner Einmündung in die Dill unterhalb Herborn eine Gesamtfallhöhe von 350 m. 1926-1935 wurden von der Hessisch-Nassauischen Überlandzentrale Oberscheld 4 Kraftwerke und 1 Talsperre bei Driedorf zur Energiegewinnung erstellt. Da diese Talsperre mit nur 1,1 Mill. m3 Inhalt den jahreszeitlich oft überreichlichen Abfluß des Rehbachs nicht fassen konnte, wurde 1946-1949 eine weitere Sperre oberhalb Mademühlen, die Krombachsperre, mit 4,2 Mill. m3 geplant und gebaut, so daß jetzt die wirtschaftliche Ausnutzung der bei 12 km2 Einzugsgebiet und 975 mm Niederschlagshöhe zufließenden Wassermengen gewährleistet ist. Über technische Daten der Sperre gibt eine Arbeit von K. GEISSELBRECHT in "Die Bautechnik", H. 10, Oktober 1948, Auskunft. Der durch einen 600 m langen und 14 m hohen Erddamm abgeschlossene Staudamm liegt auf der Hochfläche des Westerwaldes, die aus Basalt, Basalttuff und deren Verwitterungsprodukten aufgebaut wird. Geologische Untersuchung von über 100 Bohrungen und Schürfschächten im Bereich des Dammes und im Stauraum selbst ergab, daß im tieferen Untergrund überall fester, wenn auch z. T. stark zerklüfteter Basalt ansteht; darüber findet sich eine mehr oder weniger mächtige Zone von tiefgründig zersetztem Basaltmaterial von meist graugrüner Farbe, worin örtlich lebhaft rot gefärbte Partien eingeschaltet sind. Dieser Basaltzersatz zeigt im allgemeinen noch seine ursprünglichen Lagerungsverhältnisse. Von besonderer Bedeutung und ausschlaggebend für die Möglichkeit der Anlage der Sperre ist, daß sich zuoberst eine tonig-lettige Deckschicht von durchschnittlich 2,8 m Mächtigkeit befindet. Sie besteht ebenfalls aus Basaltzersatzmaterial, welches aber infolge einer wahrscheinlich im wesentlichen periglazialen Fließbewegung seine krümelige Struktur verloren hat und wegen seiner Feinkörnigkeit und dichten Lagerung praktisch wasserundurchlässig ist, was auch bodenmechanische Untersuchungen von DETIG, Darmstadt, bestätigt haben. Bei der Planung und Bauausführung wurde deshalb vorgesehen, diesen natürlichen Dichtungsteppich im Stauraum völlig unverletzt zu erhalten und die am Staudamm wasserseitig vorgesehene Tonschürze sorgfältigst an ihn anzuschließen. Das Schüttgut für den Damm wie auch das Dichtungsmaterial für die Tonschürze konnten aus dem überstauten Gelände in genügender Entfernung vom Damm entnommen werden, wobei für den Stützkörper bindige Böden aus der oberen Lettenschicht, gemischt mit Material aus der tiefgründigen Basaltzersatzzone, genommen wurden, während für die Dichtungsschürze besonders sorgfältig ausgesuchte Partien der obersten Lettenschicht Verwendung fanden. Material für die Steinlagen der Wasser- und Luftseite des Dammes wurden einem in der Nähe liegenden Steinbruch bei Driedorf entnommen.