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Bemerkungen zu den Salzlagerstätten im östlichen Karpatenvorland

Gunzert, G.

Kurzfassung

Die Salz- und Kalisalzlagerstätten des ostgalizischen Karpatenvorlandes haben in mancher Hinsicht gemeinsame Züge mit den alpinen Salzvorkommen. So sind beiden das Auftreten eines Haselgebirges sowie das Vorhandensein einer äußerst komplizierten Faltentektonik gemeinsam, liegen doch auch die ostgalizischen Salzvorkommen in einem alpinotyp gefalteten Gebiet, das strukturell immerhin mit der gefalteten Molasse Südbayerns verglichen werden kann. Nach dem heutigen Stand der Kenntnis, insbesondere nach der mikropaläontologischen Bearbeitung durch HILTERMANN (1944) werden in Ostgalizien zwei Salzformationen unterschieden, die ihre Hauptverbreitung dicht vor den Flyschkarpaten besitzen, dagegen zur Podolischen Platte - dem nördlichen Beckenrand - durch Gips-Anhydrit vertreten werden. Die ältere Salzformation - untermiozänen Alters - schließt sich eng an die oligozänen Polanicaschichten des Karpatenflysches an. Sie hat auch mit diesen die vortortone Karpatenfaltung mitgemacht. Die jüngere Salzformation ist an die darüber folgenden, am Karpatenrand diskordant aufliegenden roten Mergel der Stebnikschichten gebunden, die dem Untertorton zugerechnet werden. Nach oben folgt über diesen teils brackisch-limnisch, teils marinen Stebnikschichten ein einige Hundert Meter mächtiges marines Obertorton in der Fazies der tonigen Daszawaschichten. Eine nachtortone Gebirgsbildung, die gerade in dem ostgalizischen Karpatikum besonders wirksam gewesen ist, hat den inneren, salzreichen Teil z. T. 10 km weit über den äußeren salzarmen oder salzfreien Teil der Vortiefe aufgeschoben. Somit ergibt sich eine tektonische Aufgliederung des ostgalizischen Karpatenvorlandes nach folgendem Schema: Autochthon/Parautochthon: Ob. Torton Daszawaschichten; Unt. Torton Stebnikschichten mit Jüngerer Salzformation; Unt. Miozän Altere Salzformation; Oligozän Polanicaschichten. Die Kalisalzgewinnung Ostgaliziens beschränkt sich auf die drei Anlagen Kalusz, Holyn und Stebnik, wobei die Vorkommen von Kalusz-Holyn der Jüngeren, Stebnik der Älteren Salzformation angehören.