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Hydrogeologie und Grundwasserschutzmaßnahmen

Becksmann, Ernst

Kurzfassung

Die Maßnahmen zum Schutze der Grundwassergüte werden nach Art und Ausdehnung wesentlich von den örtlichen hydrogeologischen Verhältnissen bestimmt. In den Kiessanden des Oberrheingrabens wirken sich bei einer 5 bis über 10 m tief liegenden Grundwasseroberfläche die üblichen Stalldunggaben selbst dann nicht einmal bakteriologisch aus, wenn keine schützende Lehmdecke vorhanden ist. Eine Reihe von Beispielen sprechen für die bedeutende Rolle des Bodenprofils und seiner Mikrolebewelt. Bedenklich sind aber Fäkalversickerungen innerhalb des Entnahmetrichters einer Grundwassererfassung. Der ganze Entnahmebereich ist bei der Versickerung chemischer Stoffe gefährdet. Um ein Vielfaches größer ist die Gefährdung des Grundwassers im Spalten- und Karstwasserbereich (Kristallin, Trias), wo weitverbreitete unentwickelte Böden schon die Düngung "durchschlagen" lassen. Nur bei ausgedehnten, mächtigen Lößdecken (Kraichgau) und langer Verweildauer des Grundwassers unterhalb undurchlässiger Gesteine zwischen Einsickerungsgebiet und Quelle pflegt Spaltenwasser einwandfrei zu sein. Für die Ermittlung des Einzugs- und damit Gefährdungsbereichs von Spaltenquellen ist die Schichtlagerungskarte nur mit Kritik auswertbar, da nicht das Sohl-, sondern das Spiegelgefälle maßgebend ist. Sehr wertvoll für die Ermittlung des Laufs von Spaltenwässern sind Erkenntnisse über die spaltentektonische Bedeutung von selbst schwachen Flexuren und Verbeulungen. Im Spalten- und Karstwasserbereich würden Schutzmaßnahmen mit dem Ziele der Reinhaltung des Grundwassers (Verbot von Stallmistdüngung) vielfach für so große Flächen notwendig sein, daß sie praktisch kaum durchführbar sind (Aufbereitung, Entkeimung!). Jeder Einzelfall erfordert individuelle Beurteilung.