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Beobachtungen über die Erosion am Albtrauf

Hölder, H.

Kurzfassung

Die erosive Zerstörung des NW-Abfalls der Schwäbischen Alb zeigt verschiedene altbekannte Formen: 1. in Rutschkissen gleitende Braunjuratone, 2. auf diesen geschlossen niedergehende Weißjuraschotter, 3. Schutthalden, 4. Bergstürze. Die auf Schaufelflächen abgleitenden Schollen, die durch ihre Kraft und Wasserspende die Bewegung der liegenden Doggertone auslösen, charakterisieren die Traufstufe der wohlgebankten Weiß-Beta-Kalke (Beta-Trauf). Sie lösen sich als Klippen vor aufreißenden Spalten von der Traufkante los. Bei weiterem Abgleiten neigt sich ihre Oberfläche in der Regel bergwärts, während sich der Spalt mehr und mehr mit Schutt füllt, wobei er aber noch lange Zeit als scharf eingekerbtes hangparalles Tälchen und später als entsprechende Tiefenlinie mit unruhigen Dellen und Löchern in Erscheinung tritt. 50-100 m unter der Traufkante können nebeneinanderliegende, durch Schuttmassen verbundene Schollen schmale Bergleisten (Terminus aus dem Tagebuch C. DEFFNERS) von beträchtlicher Erstreckung bilden. Schollen verschiedenen Alters sind häufig mehrfach übereinandergestaffelt. Überraschenderweise scheinen auch reine Schuttmassen ebensolche Hangleisten zu bilden, indem auch sie auf den gleitenden Braunjuratonen absacken und in schmale, parallele Staffeln mit steiler Böschung und bergwärts geneigter unruhiger Oberfläche zerlegt werden. Das wird durch die in manchen Fällen geglückte Beobachtung bergwärts geneigter Schichtung der Schuttscherben gestützt. Manche Beta-Schollen gleiten, indem die liegenden Mergel und Tone aufgezehrt werden, sehr tief ab. Im Echaztal begegnet man ihnen wenige Meter über dem heutigen durch Kalktuff allerdings in junger Zeit stark erhöhten Talgrund. Sowohl die großen schollenbildenden als auch die täglichen kleinen Erosionsschritte führen zu gewaltigen Schutthalden, denen die Beta-Kalke durch ihre Neigung zu starkem scherbenartigem Zerfall reichliche Nahrung liefern.