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Neue Untersuchungen in den Betischen Ketten

Michelau, P.

Kurzfassung

Als Bindeglied zwischen dem marokkanischen und dem spanischen Grundgebirgskomplex tritt im Bereich der Betischen Ketten das paläozoische Grundgebirge wieder zutage. Die Kartierung eines Teils dieses Gebirges zwischen Marbella und dem Rio Campanillans in den Jahren 1938/39 läßt folgende Großgliederung erkennen: 1. Tieferes hochmetamorphes Grundgebirge, bestehend aus den Unteren Kristallinen Paragesteinen, dem Marbellamarmor und den Oberen Kristallinen Paragesteinen. 2. Höheres Grundgebirge mit stetig nach oben abnehmendem Grad der Metamorphose, sicher Gotlandium, Devon und Karbon. 3. Das ältere, permotriadische Deckgebirge. 4. Das jüngere, tertiäre Deckgebirge. Der Marbellamarmor wird, im Gegensatz zu BLUMENTHAL, der ihn im Anschluß an die Gedankengänge von BROWER, STAUB und KOBER, die für die Betischen Ketten die Vorstellung eines Deckenbaues besonders entwickelten, nicht als Deckenfenster des triadischen Untergrundes, sondern als ein älterer Marmor im Verband des tieferen Grundgebirges aufgefaßt, während es außerdem an anderer Stelle eine zweite mesozoische Kalkserie in alpiner Fazies gibt. Für die Deutung des Marbellamarmors sprechen seine innige Verzahnung mit den Paragesteinen, an deren Zugehörigkeit zum Grundgebirge, z. B. im Riff-Atlas, niemand zweifelt (SCHMIDT-THOMÉ) und das Vorkommen völlig gleichartiger Kalkmarmore im algerischen Paläozoikum, z.B. dem Kabylischen Riff (BEHREND 1942). Im Höheren Grundgebirge wurde bei Almogia eine postviséische Diskordanz, die wahrscheinlich der sudetischen Phase zuzuordnen ist, nachgewiesen. Sein besonderes, auch landschaftlich hervortretendes Gepräge erhielt das Gebiet durch die nachtriadische, voreozäne, germanotype Bruchtektonik, in deren Verlauf die bunten Schichten der Permotrias in die graublauen Gesteine des Paläozoikums grabenartig einsanken.