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Beobachtungen an deutschen Quelltonvorkommen

Müller, Ferdinand

Kurzfassung

Zur Defination sei vorausgeschickt, daß unter Quelltonvorkommen solche Tonablagerungen verstanden sein sollen, welche nennenswerte Bestandteile an quellfähigen Mineralien der Montmorillonit-Nontronit-Gruppe enthalten. Als Prototyp derartiger Vorkommen gelten die bekannten USA-Bentonite, die eine vielseitige Anwendung als Stellmittel in den verschiedensten Zweigen der Technik gefunden haben. Kennzeichnend für diese Bentonite ist ihre außerordentlich große natürliche Quellfähigkeit. Bereits geringe Konzentrationen (5 g Substanz auf 100 ccm Wasser) ergeben stark thixotrope Suspensionen. Aus Deutschland ist bisher nur ein Tonvorkommen näher bekannt geworden, dessen Rohmaterial, ohne besondere Formierung nur mit Wasser angesetzt, thixotrope Suspensionen ergibt, nämlich der Warmbüchener Ton, Allerdings ist dessen Quellfähigkeit wesentlich geringer. Beispielsweise waren bei dem dem Vortragenden vorliegenden Material 40 g Substanz auf 100 ccm Wasser erforderlich, um eine thixotrope Suspension zu erzielen, während bei geringerer Konzentration bereits Absatzwasserbildung auftrat. Alle übrigen deutschen Quelltonvorkommen sind dadurch ausgezeichnet, daß erst nach Zuführung einwertiger Ionen, am besten von Na, volle Quellfähigkeit erreicht wird, die dann allerdings bei guten Lagen derjenigen amerikanischer Bentonite gleichkommt. Als Beispiel seien hier besonders die bayerischen Bleicherdevorkommen erwähnt. Bei einschlägigen Untersuchungen des Vortragenden hat es sich herausgestellt, daß das beste Rohmaterial dieses Bezirks ein grünlich-brauner Ton ist, der in trockenem Zustand sich etwa wie Erdwachs anfühlt. In einer verlassenen Bleicherdegrube bei Straß, südöstlich Mainburg, fand der Vortragende das Bleicherdematerial in Warwenschichtung von der Größenordnung 1 mm und weniger, auf 10 cm Schichtdicke insgesamt kamen 110 Einzelschichten abwechselnd von grünlichbraun und von schmutzig weißlich. Dabei war das dunkle Material bei Na-Formierung hochquellfähig, während das weißliche Material nicht oder nur ganz unvollkommen zum Quellen gebracht werden konnte. Es ist möglich, daß es sich bei dem dunklen Material ursprünglich um vulkanische Aschenlagen handelt.