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Der biologische Begriff der Zone

Olbertz, Gerta

Kurzfassung

Es wurden Versuche geologischer Zeiteinteilung kritisch beleuchtet. Ereignisse, die oder deren Dokumente in der geologischen Zeitskala eindeutig und einmalig und daher geeignet sind, das Vorher und Nachher zu trennen, sind vorerst allein solche, die im Bereiche phyletischer Entwicklungen liegen. Nicht die Tatsache, daß es Abstammung gibt (also nicht - wie oft behauptet wird - die Deszendenzlehre an sich) begründet eine allgemein gültige geologische Biochronologie, sondern die Erscheinung autonomer Entwicklungen in der organischen Welt. Beruhe Evolution (gerichtete Entwicklung) in allen Fällen nur auf sprunghaften Mutationen, Selektion und Isolation (Umwelteinflüssen), so würden wir es nur mit faziell bedingten Fossilien und Fossilienfolgen zu tun haben, die niemals Zeitmarken für eine weltweit gültige Chronologie sein könnten, sondern nur Marken für eine Stratigraphie als örtliche Schichtbeschreibung und -ordnung. Dann würden anorganische Vorgänge den Vorrang vor den organischen und jene Geologen recht haben, die diastrophische Zeitmarken fordern. Mit dem Nachweis autonomer Entwicklungen in der organischen Welt und des - im geologischen Sinne - erdweit gleichzeitigen Erscheinens ihrer Dokumente wurde die unbedingte Vorrangstellung der Paläontologie bei der Zeitgliederung und für deren Einheiten, z. B. die Zone, der biologische Charakter begründet. Theoretische Überlegungen (graphische Darstellungen) und Aufzeigung praktischer Beispiele ergaben weiter für die Begriffsbestimmung der Zone: Sie braucht als kleinstes Intervall geologischer Chronologie nicht unbedingt durch die Gesamtlebensdauer einer Art charakterisiert zu sein; sie sollte ihre Grenzen erhalten jeweils durch den Beginn einer deutlich erfaßbaren neuen Form (Art oder Unterart). Es gibt somit Zonen, die durch die Lebensdauer einer Art gekennzeichnet sind, es gibt Zonen, die durch den Beginn zweier aufeinanderfolgender Formen bestimmt sind, außerdem Zonen, die durch das Nebeneinander zweier oder mehrerer benachbarter Formen und schließlich solche, die durch die Vergesellschaftung von Formen der verschiedensten Formengruppen charakterisiert sind. Man kann also nicht "Artzonen" und "Faunenzonen" grundsätzlich verschieden bewerten (von vornherein der einen den Vorrang vor der anderen Zone geben). Wir müssen alle Möglichkeiten aus der Natur ausschöpfen und rein empirisch feststellen, ob uns die feinstmögliche Gliederung eine Art oder eine Fauna bietet.