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Ein bisher unbekanntes Vorkommen von Orbitoiden führendem Maastricht-Trümmerkalk bei Ilten am Sarstedt-Sehnder Salzstock

Voigt, E.

Kurzfassung

Das von C. DIETZ entdeckte Vorkommen befindet sich etwa 12 km vom Stadtrand von Hannover entfernt am Westrande des Sarstedt-Sehnder (= Sarstedt-Lehrter) Salzstocks, 1 km südlich des Dorfes Ilten. Es ist hier durch Lesesteine und Handbohrungen in einem über 400 m langen Streifen zu verfolgen, der im Osten an einer Störung gegen vermutlich oberoligozäne Grünsande abschneidet, während seine Westgrenze durch Unteren Buntsandstein gebildet wird, auf dem die konglomeratischen Trümmerkalke transgredieren. Angebohrte Buntsandsteingerölle, Phosphorite und Brauneisengerölle sind in dem gesamten leider nirgends aufgeschlossenen kalkig-mergeligen Schichtenkomplex vorhanden. Nach Lesesteinen, Handbohrungen und kleineren Schürfen zu urteilen, bilden die Bryozoen- und Orbitoidenkalke anscheinend einzelne Bänke in einem ockergelben, fossilarmen Kalkstein. Die aus dem Verwitterungslehm gewonnene, sehr reiche Kleinfauna besteht größtenteils aus Bryozoen, Großforaminiferen, kleinen Brachiopoden, Korallen und Echinodermentrümmern. Von der an anderer Stelle ausführlich behandelten, 114 bestimmbare Arten umfassenden Fauna seien hier aufgeführt. Von 114 bestimmten Spezies kommen 103 im südlimburgischen Maastrichtien bei Maastricht und Kunrade vor; allein mit der eigentlichen Tuffkreide von Maastricht hat das Iltener Vorkommen 96 Arten gemeinsam. Von den 101 Bryozoenarten sind 83 in der Tuffkreide der Umgebung von Maastricht nachgewiesen. Zahlreiche Formen, die bisher nur von Maastricht allein bekannt sind, finden sich bei Ilten wieder. Von besonderer Bedeutung ist das Vorkommen von Belemnitella junior Nov. s. tr., die nach der neuen Belemnitengliederung JELETZKYS Unteres Obermaastricht charakterisiert und der bezeichnende Belemnit der Maastrichter Tuffkreide ist. Wenn auch in südlichen Gebieten (Maastricht, Belgien) diese nunmehr von Belemnitella mucronata v. SCHLOTH. abgetrennte Form schon früher, nämlich in den Lanceolatenschichten des Untermaastrichts, vorkommt, so ist sie nach den Feststellungen JELETZKYS im borealen Bereich des Untermaastrichts von England, Norddeutschland, Dänemark bis Ostrußland nicht vorhanden. Sie darf daher im Bereich der Norddeutschen Kreide als bezeichnend für Obermaastricht angesehen werden. Diese Fragen sind in der unten genannten Arbeit über das Maastricht von Ilten näher behandelt.