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Die Lithogenese des Ruhrkarbons. Wege zu ihrer Erkennung und Abgrenzung ihrer

Jessen, W.

Kurzfassung

Beurteilungsmöglichkeiten, mit kritischer Anwendung aktualistischer Vergleiche Aktualistische Vergleiche, nicht Gleichsetzungen, forderten schon VON HOFF und LYELL. Das rezente Augenblicksbild darf ausdeutungsmäßig nicht unkritisch auf das fossile Endbild angewendet werden, da in letzterem zeitlich-räumliche Weiterentwicklung, diagenetische, metamorphe und tektonische Veränderungen enthalten sind. Da bei der Sedimentation zahlreiche exogene und endogene Kräfte in dauerndem prozentualem Wechsel zusammenspielen, wird man kaum heutige Räume finden, denen fossile in allem geglichen haben. Selbst Teilvergleiche sind nur dann eindeutig, wenn das rezente Bild nur unter einer einzigen Ursachenkombination entstanden sein kann. Für den Versuch einer lithogenetischen Deutung gilt es Regelfälle zu finden. Der im Ruhrkarbon bekannte Regelfall ist der Gesteinsrhythmus Wurzelboden-Flöz-Schieferton-sandstreifige Schiefer-Sandstein-Wurzelboden usw. Zum Teil fehlen Flöz und Wurzelboden (FIEGE). Dunkle Farbe, Pyritgehalt und feines Korn des Schiefertons sind keine eindeutigen Anzeichen für tieferes, sauerstofffreies Stillwasser. Er ist schon gar nicht mit den über 1000 m tiefen Schwarzmeerbildungen vergleichbar. Reichtum an organischen Beimengungen läßt z. B. das in lebhaft bewegtem Wasser transportierte Material der Nordsee frühdiagenetisch zu H2S-reichem, blauschwarzem Wattenschlick werden. Im oberkarbonischen Schieferton ist aber keine Gezeitenwirkung nachzuweisen, da Vollpflaster und Gezeitenrinnen (JESSEN 1932) fehlen. Wasserströmung ist dagegen an den oft einklappig eingebetteten Schalen u. a. zu erkennen. In den darüber folgenden sandstreifigen Gesteinen liegen Pflanzenhäcksellagen. Diese sowie gelegentliche Aufarbeitungsreste (z. B. eine unverfestigt umgelagerte Sandstreifenscholle) in ungeschichtetem Mischgestein ("Sandschiefer") entstanden vielleicht nach katastrophalen Regengüssen, wie sie BÜNNING von der Küste Sumatras beschreibt. Die darüber folgenden Sandsteine sind z. T. bogig schräggeschichtet [turbulent strömendes Wasser. (ILLIES)], z.T. ebenflächig abgelagert [laminare Bodenströmung: z.B. vor der Mississippimündung (SHROCK)].