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Zur Entstehungsgeschichte der Steinkohlenflöze (Sporenkundliche Untersuchungen am Flöz Erda des Ruhrkarbons)

Kremp, G.

Kurzfassung

Die Untersuchung mazerierter Kohlenproben macht es möglich, innerhalb der Flöze einzelne Lagen voneinander zu unterscheiden und genetisch zu deuten. Ausgehend von der Entstehungsgeschichte des Flözes Erda lassen sich im Karbon zwei Flözbildungskomplexe unterscheiden: 1. Bruchwaldmoore (Waldmoore), d. h. Moore mit einem mehr oder weniger dichten Baumbestand, ähnlich den rezenten Erlenbruchwaldmooren und Taxodienswamps. 2. "Offene Moore" und limnische Räume, d.h. alle übrigen feuchten Moorvereine, wie baumarme Sümpfe, baumfreie Moore (ähnlich den rezenten Riedmooren), Röhrichte, halblimnische und limnische Bildungen. Aus Bruchwaldmooren hervorgegangene Steinkohlen sind gekennzeichnet durch ihren besonderen Reichtum an Holz-, Rinden- und Blattresten. Die Sporenführung ist meist gering. Die auftretenden Sporenarten stammen zum großen Teil von der Lokalvegetation und können von Standort zu Standort wechseln. Kohlenpetrographisch herrscht der Klarit und Vitrit vor. (Die notwendigen kohlenpetrographischen Paralleluntersuchungen führte K. KARMASIN, Gelsenkirchener Bergwerks-AG., durch.) Die Kohlen der "offenen Moore" und der limnischen Räume zeichnen sich durch einen besonderen Reichtum an Sporen aus. Es handelt sich um Sporenarten, die in den Bruchwaldmooren nicht besonders häufig sind und die wohl zum größten Teil aus extrapalustren Räumen eingeweht wurden. Holz- und Rindenreste treten zurück. Kohlenpetrographisch herrscht der Durit bzw. der massenhafte Mikrinit vor. Die Ergebnisse entsprechen grundsätzlich den von P. W. THOMSON in der rheinischen Braunkohle gefundenen Gesetzmäßigkeiten, die später von H. PFLUG auch für das Alttertiär bestätigt wurden. Man kann daher erwarten, daß die stratigraphischen Methoden, wie sie von der Pollenanalyse für das Tertiär entwickelt worden sind, auch für das Karbon ihre prinzipielle Gültigkeit haben. Der als Bergemittel überall im Flöz Erda auftretende Tonstein, dessen Entstehung umstritten ist, und der von E. STACH u. a. als eingewehter, vielleicht auch eingeschwemmter, vulkanischer Aschenregen gedeutet wird, wurde über 26 km hinweg in einem faziell einheitlichen, durchgehenden Horizont des Flözes in fast gleichbleibender Mächtigkeit abgelagert. Bei seinem Niederschlag dürfte das Erda-Moor kein Waldmoor mehr gewesen sein, sondern an allen untersuchten Stellen bereits einen halblimnischen Charakter gehabt haben.