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Die Günz-Eiszeit am Niederrhein

Wolters, R.

Kurzfassung

Das Amt für Bodenforschung Krefeld ließ im Sommer 1949 die vielen Tongruben im Gebiet von Niederkrüchten und Bracht zur Klärung der Pliozän-Pleistozän-Grenze profilmäßig aufnehmen. In dem dort z. T. aufgeschlossenen Profil, von unten nach oben: pliozäne Feinsande, Reuverton, älteste Diluvialschotter, Tegelen-Ton, Hauptterrasse konnten wichtige Beobachtungen gemacht werden. Unter ungestörtem Tegelen-Ton fanden sich im Reuver-Ton mit "Ältesten Diluvialschottern" gefüllte Frostspalten und sonstige periglaziale Erscheinungen. Damit ist eindeutig für den nordischen Vereisungsraum eine ältere Kaltzeit als die Mindel-Eiszeit durch geologische Beobachtungen nachgewiesen. Es wird zunächst ein Günz-Alter für den "Ältesten Diluvialschotter" und ein Günz/Mindel-Interglazialalter für den Tegelen-Ton angenommen, obwohl die Flora des Tegelen-Tons, verglichen mit den jedoch sehr weit entfernten Floren von Leffe in Oberitalien und vom Cromer-forest-bed in England, auf Donau/Günz-Interglazial hinweisen könnte. Bei einer solchen Einstufung würden sich aber weitere Probleme einstellen. Wenn jedoch bei dem gleichbleibenden Klima zur Zeit der Ablagerung der niederrheinischen Braunkohle eine Gleichstellung von Pollenprofilen innerhalb der Niederrheinischen Bucht nicht ohne weiteres möglich ist, dann wird man aber wohl bei der schon starken Klimaschwankungen unterworfenen Flora des Altdiluviums eine Gleichsetzung von drei so weit entfernten Punkten, wie Cromer-forest-bed, Niederrhein und Norditalien, nicht wagen dürfen. Dazu kommt noch die Möglichkeit, mit der man unbedingt rechnen muß, daß wir es bei den drei Einzelpunkten mit Teilabschnitten und nicht mit dem Gesamtinterglazial zu tun haben. An einer interglazialen und nicht interstadialen Bildung des Tegelen-Tons ist aber bei dem Wechsel von sehr kalt (über 2 m tiefe Frostspalten) und sehr warm (Pollenzusammensetzung) kaum mehr zu zweifeln.