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Verbreitung und Lagerung von Haupt- und Mittelterrasse am Niederrhein

Karrenberg, H.

Kurzfassung

Viele Bohrungen der letzten Jahre haben neues Licht auf diluvialstratigraphische Probleme am Niederrhein geworfen. So konnte südöstlich Grevenbroich die Begrenzung und der Aufbau der in die Hauptterrasse hier eingeschnittenen Mittelterrasse untersucht werden. Sie baut sich auf weiten Strecken im wesentlichen aus fluviatilen Ablagerungen von eindeutiger Lößabkunft auf. Die Auflagerungsflächen von Haupt- und Mittelterrasse zeigen an vielen Stellen der Ville sehr ausgedehnte und tiefgreifende Auskalkungen, die mit ihren Begleiterscheinungen nur unter den besonderen Bedingungen ausgesprochener Kaltzeiten erklärt werden können. Die Ablagerungen von Haupt- und Mittelterrasse werden als Bildungen glazialer Zeiten aufgefaßt. Die Lagerungsverhältnisse der Terrassen zueinander und damit ihre oberflächliche Verbreitung werden am Niederrhein weitgehend durch die intensive Schollentektonik einerseits und die regionale "Schollenkippung" vom Rheinischen Schiefergebirge zur Nordsee hin andererseits bestimmt; ihr Erkennen wird dadurch sehr erschwert. Da die im Südteil der rheinischen Bucht hochliegende Hauptterrasse in Holland tief unter die Mittelterrasse abgesunken ist, muß im Zwischengebiet eine "Terrassenkreuzung" liegen. Für die Krefelder Scholle wird sie etwa auf der Linie Rommerskirchen-Grevenbroich-Rheydt gesucht. Nördlich dieser Zone jedenfalls taucht die Hauptterrasse unter die Mittelterrasse. So sind die Terrassenkiese bei Krefeld und in seiner westlichen Umgebung zweigeteilt, sie sind getrennt durch sandig-tonige, offenbar interglaziale Zwischenschichten. Das Pollenspektrum der darin enthaltenen torfigen Lagen bestätigt diese Auffassung. Das Bohrnetz reicht aus, um Lagerung, Mächtigkeit und Verbreitung des Interglazials bei Krefeld darzustellen. Auch im Bereich der Niederterrasse zwischen Krefeld und Uerdingen liegen z. T. ähnliche Bildungen, jedoch von zunächst noch nicht gesicherter Alterseinstufung vor. Es ist aber auch hier damit zu rechnen, daß Reste älterer Terrassen an der Basis der Niederterrassenablagerungen erhalten geblieben sind. Eine ähnliche Zweiteilung der Mittelterrasse ist im Gebiet westlich Bensberg und im südlich anschließenden Königsforst festgestellt worden. Hier ist offenbar an einer Randstaffel des Rheintalgrabens die Hauptterrasse versenkt und wird durch ein Interglazial von Krefelder Charakter und Mittelterrassenablagerungen überlagert.