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Zur Tektonik des Vennsattels

Thomé, K.

Kurzfassung

Unterschiede und Übereinstimmung verschiedener tektonischer Elemente in den einzelnen Sattelteilen ermöglichten Schlüsse auf die tektonische Entwicklung: Die Metamorphose nimmt nach unten in die vordevonischen Gesteine des Sattelkerns zu. In der "Metamorphen Zone" bei Lammersdorf-Monschau ist sie auch im Devon verhältnismäßig hoch. Transversalschieferung ist in allen Sattelteilen (vom Revin bis ins Karbon) nachweisbar. Dehnung (z. B. Abschiebungen und Zerreißungen) und Pressung (z. B. Faltenbildung und Überschiebungen) gehören zeitlich und mechanisch zur variszischen Faltung. Die Vennüberschiebung greift im Ostteil des Sattels als flache Decke weit nach NW über sämtliche Schichten des Devons und des Unterkarbons des Nordflügels vor, d.h.: über eine Sedimentfolge, die normalerweise etwa 5 km mächtig ist. Einige gute Aufschlüsse machen die tektonischen Beanspruchungen dicht unter der großen Überschiebung sichtbar. Dabei werden (Ergebnisse gemeinsamer Begehungen mit W. SCHMIDT) Schichtfolgen von etwa 1000 m auf 200 m ausgedünnt, wobei doch alle bemerkenswerten Horizonte erkennbar bleiben. Ein kleiner Rest einer Grauwacke des Siegen liegt "wurzellos" auf dem Massenkalk des Frasne. Die Vennüberschiebung gehört zu den großen Überschiebungen der Ardennen. Die Eruptivgesteine des Vennsattels hängen wahrscheinlich, zumindest teilweise, mit dem Granit von Lammersdorf zusammen. Aus ihrer Lagerung ergibt sich eine Altersstellung zwischen Tremadoc und Ende der variszischen Faltung. Auch die "Metamorphe Zone" von Lammersdorf zeigt Beziehungen zu den Eruptiven. Ein syntektonisch-variszisches Alter des Granits ist zu vermuten. Chemische Auflösung ist sowohl in Kalken als auch in Quarziten an Stylolithen und Drucksuturen erkennbar. Neuausscheidung füllt die sich während der Faltung öffnenden Hohlräume. Auch scheint der Kristallisationsdruck bei der Bildung von Quarzgängen eine Rolle gespielt zu haben. Im Devon und Silur zeigen die tektonischen Elemente ziemlich ähnliches Verhalten. Eine schwache Diskordanz ergibt sich mit Sicherheit aus dem Kartenbild (HOLZAPFEL, W. SCHMIDT). Nicht alle Aufschlußbeobachtungen von Diskordanzen an der Basis des Devons sind sicher. Deutlichere Strukturunterschiede zwischen Revin und Silur-Devon machen eine stärkere Faltung vor dem Tremadoc wahrscheinlich und stützen die Schlüsse auf eine präkaledonische Faltung und Konsolidation des Revin-Deville, die VAN WATERSCHOOT VAN DER GRACHT 1938 aus den Verhältnissen des Brabanter Massivs zog. Die endgültige Prägung des Vennsattels ist jedoch das Ergebnis der starken variszischen Faltung.