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Tertiäre Braunkohlenbildungen am Lommersumer Horst der Niederrheinischen Bucht

Rein, U.

Kurzfassung

In den letzten Jahren hat sich die bergbauliche und geologische Lagerstättenforschung auch den randlichen Flözbildungen im rheinischen Braunkohlenrevier zugewandt. Die im zentralen Gebiet der Ville erarbeiteten Ergebnisse der Braunkohlenbildung und die in der Zusammenarbeit des Amtes für Bodenforschung mit dem Braunkohlenbergbau erprobten neuen Untersuchungsmethoden wurden bei der Bearbeitung von Bohrungen aus dem südlichen Teil der Niederrheinischen Bucht zur Anwendung gebracht. Das Flöz im Lommersumer Horst, einem von FLIEGEL begrenzten, tektonischen und morphologischen Hochgebiet der Erftscholle, hat meist eine nur geringe Mächtigkeit. Es sollten die stratigraphischen Beziehungen zu dem wesentlich stärkeren untermiozänen rh. Hauptflöz in den Feldern der Grube Fortuna-Nord dargestellt werden. Die Grundlagen hierfür bieten sich in der pollenanalytischen Feingliederung des 90 m mächtigen Normalprofils (N.P.) (s. "Braunkohle", Jg. 1950, S. 72-78) und in den Erkenntnissen über die Beziehungen von tektonischen Bewegungen des Untergrundes mit relativem oder absolutem Grundwasseranstieg zu den Moorbildungen. An Hand dieses in mehrere Abschnitte gegliederten Hauptflözes lassen sich alle gleichalten Flözbildungen unabhängig von ihrer Mächtigkeit und Teufe mit den einzelnen Horizonten des N.P. parallelisieren. Dies wurde seit 1948 mit Erfolg bei über 300 Bohrprofilen aus Bohrungen und Tagebauen des rh. Reviers durchgeführt. Auf größere Erstreckung muß beachtet werden, daß sich Moortypen, Pflanzenbestand und somit auch Pollenzusammensetzung gleichalter Bildungen in der Horizontalen ändern können. Damit ergeben sich auch die Erkenntnisse über die speziellen Bewegungen des Untergrundes im Schollenmosaik des allgemeinen Senkungsfeldes der Niederrheinischen Bucht. Dies wird am Beispiel der Villescholle erläutert. Während im nördlichen Teil der NW-SE gerichteten Ville die zweimalige Einschaltung von je 30-50 m zumeist feinsandigen Sedimenten im Hauptflöz auf eine zeitweise verstärkte Absenkung mit einem Abriß der Moorbildung schließen läßt, geht zwischen Wiedenfeld und Horrem die Torfanreicherung ungestört weiter und erreicht maximale Mächtigkeiten. Im südlich anschließenden Bereich der gleichen Scholle ist das Auftreten von zwei Trockenhorizonten und das Fehlen der oberen Hälfte vom Hauptflöz mit der gleichzeitigen relativen Hebung und dem endgültigen Ende der Bruchwaldbildung in Einklang zu bringen.