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Übersicht über die Geologie Luxemburgs

Lucius, M.

Kurzfassung

Im Luxemburger Gebiete stehen sich zwei natürliche Landschaften gegenüber, welche sich in morphologischer, agrologischer und klimatischer Hinsicht scharf unterscheiden, im Norden das Oesling, im Süden das Gutland. Beide Gebiete bilden jedoch eine geologische Einheit insofern, als sie ihre tektonische Struktur durch die variszische Faltung erfuhren. Im Oesling liegt der gefaltete paläozoische Sockel offen; im Gutland ist er durch die im Maximum 750 m mächtige Decke von diskordant auflagerndem Mesozoikum verborgen, kommt aber im Moseltal in dem Sattel von Sierck wieder zutage. Bis zum Ende des Pliozäns unterschieden sich Oesling und Gutland nicht wesentlich, weder in morphologischer noch in stratigraphischer Hinsicht. An der Wende des Pliozäns zum Diluvium setzte eine epirogene Heraushebung ein, welche beide Gebiete erfaßte. Es war aber keine einfache en-bloc-Bewegung, sondern ein differentieller Vorgang, wobei das Oesling stärker herausgehoben wurde als das Gutland. Dieser Vorgang verstärkte die Erosionsarbeit der Flüsse des Oeslings in dem Maße, daß hier die mesozoische Decke abgetragen wurde, während diese im Gutlande noch zum größten Teile erhalten blieb. Die so stark voneinander abweichende morphologische Gestaltung beider Landschaften ist demnach der äußere Ausdruck jüngster epirogener Bewegungen, welche in beiden Gebieten sich in verschiedener Intensität geltend machten. Sockel und Decke zeigen verschiedenen Baustil und spezifische Besonderheiten der Strukturen; ersterer hat alpinotypen Faltenstil, letztere dagegen Bruchfaltentektonik. Doch bestehen auch in der Tektonik der Decke enge Beziehungen zur Struktur des Sockels. Die tektonischen Linien der Decke sind in Beziehung auf Richtung und Anordnung im Grunde eine Nahahmung der Tektonik des Sockels, doch mit den Sonderheiten eines durch den petrographischen Charakter bedingten eigenen Gepräges. Selbst der Sedimentationsraum der Deckschichten ist durch eine alte Anlage des Sockels gegeben, die aber später eine dem besonderen Gefüge der Decke entsprechende Umgestaltung durch ein enges Netz von Brüchen erfuhr.