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Der Krater von Prüm

Rode, Karl

Kurzfassung

Am 15. Juli 1949 um 20 Uhr 22 Minuten explodierte die im Stollen des Kalvarienberges untergebrachte Sprengmunition, angeblich 500 t, möglicherweise mehr. Die Schuldfrage ist ungeklärt, berührt im übrigen auch den Geologen als solchen nicht. Die Folgen aber hatten geologische Ausmaße. Der Sprengtrichter besaß ursprünglich randliche Durchmesser von 160 x 105 m bei einer maximalen Sohlentiefe von 33 m. Die Ellipsenform des Trichters entspricht der Längserstreckung der Sprengstoffkammer, die von dem nach Westen in den ansteigenden Berg vorgetriebenen Stollen aus nach Norden angelegt war, und zwar einige 10 m östlich des flachen Scheitels des Kalvarienberges. Dessen Gipfelpunkt mit der Kapelle hatte sich westlich oberhalb des Westendes der Stollenanlage befunden. Nach der Explosion überragte der Westrand des frischen Kraters beträchtlich die Ruine der Kapelle. Das Querprofil des Kraters war anfangs ausgesprochen unsymmetrisch: Der Westhang war wesentlich steiler als der Osthang geneigt. Demgemäß begannen große Hangrutschungen alsbald im Westen, die im Laufe der Zeit zu einem merklichen Gefällsausgleich geführt haben. Im ganz frischen Zustand bildeten die beiden Hänge ungefähr einen gleichen Winkel mit der ja nach ESE geneigten Oberfläche des Berges. Der Ausbruch erfolgte also nicht senkrecht nach oben, sondern in der Richtung des geringsten Widerstandes, also senkrecht zur Geländeoberfläche, und deshalb ging die zerstörende Wirkung und die Massenförderung schräg aufwärts nach Osten und traf die Stadt Prüm mit voller Wucht. Durch Luftdruck und durch Auswurfsmassen wurden 76 Häuser mehr oder minder vollständig zerstört. Die Zone völliger Zerstörung reichte etwa 650 m, die starker Beschädigungen über 1000 m weit. In ungefähr 400 m Entfernung vom Trichter blieben von zwei mannsstarken Fichten lediglich zwei ungleich hohe rundliche Stummel übrig. Die Auswurfsmassen wurden ursprünglich auf 300-400 000 m3 geschätzt.