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Die stratigraphische Gliederung der Siegenstufe im Hunsrück

Kutscher, Fritz

Kurzfassung

Die Siegenstufe weist im Hunsrück zwei Faziesäquivalente auf: 1. den Taunusquarzit, 2. die Dhroner Quarzite, die neuerdings von SOLLE als Dhrontalschichten bezeichnet werden. Während der Taunusquarzit schon seit Beginn der Spezialkartierung als feststehender stratigraphischer Begriff auftaucht, haben die noch wenig erforschten Dhrontalschichten eine wechselnde Stellung eingenommen. Auf Grund ihrer petrographischen Ausbildung und unter Berücksichtigung der Faunenführung faßt sie NÖRING als eine Faziesausbildung des Taunusquarzits auf, wobei der Unterschied gegenüber dem Taunusquarzit im wesentlichen in dem häufigeren Vorkommen grauer und grüner Quarzite sowie sandiger Schiefer liegt. In neuerer Zeit war es gelungen, die Faunenfunde im Taunusquarzit des Hunsrücks wesentlich zu erweitern (DAHMER, KUTSCHER, NÖRING), und die petrographische Zweigliederung LEPPLAS in unteren und oberen Taunusquarzit konnte durch eine paläontologische ergänzt werden. Als älteste Taunusquarzitfauna ist die Seifener Faunengemeinschaft herauszustellen (NÖRINGS "Katzenlochniveau"). Diese Fauna tritt im Verbreitungsgebiet der Siegener Schichten in den Grenzschichten der Rauhflaserschichten zur Oberen Siegenstufe auf. Nach DAHMER hat das Seifener Biotop sein Hauptlager in der taunusquarzitähnlichen Fazies der oberen Rauhflaserschichten bei dem Fundpunkt Niederähren und ist u. a. gekennzeichnet durch das Auftreten von Stropheodonta herculea, Rousseauia pseudocapuliformis sowie durch groß- und dickschalige Lamellibranchiatengattungen. Die Seifener Faunengemeinschaft ist sowohl im Taunusquarzit (Katzenloch bei Idar, Stromberger Neuhütte, Teufelsfels bei Bruschied) als auch in den Dhrontalschichten (Harpelstein bei Horath) nachgewiesen. Wichtig ist, daß Faunen unterhalb dieses Niveaus aus dem Taunusquarzit und den Dhrontalschichten bisher nicht aufgefunden werden konnten, Die Mehrzahl der bisher im Taunusquarzit und in den Dhrontalschichten gefundenen Faunen haben Herdorfer Alter. Diese Fossilfunde sind gekennzeichnet durch das bankweise Auftreten von Tropidoleptus carinatus, Spirifer primaevus und hystericus, Rhenorensselaeria strigiceps und örtlich auch Rh. crassicosta; allgemein starkes Hervortreten der Brachiopoden und Übergewicht gegenüber den Lamellibranchiaten sowohl art- als auch individuenmäßig.