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Die Dolomite der Hillesheimer Mulde

Struve, Wolfgang

Kurzfassung

Drei Deutungen stehen sich für die Dolomite der Eifel gegenüber: Die älteste, bereits von STEININGER (1853) ausgesprochene Auffassung ist neuerdings von J. WILCKENS (1929) wieder vertreten worden: Alle Dolomite sind bereits im Devonmeere entstanden, sind also älter als die variszische Faltung und schichtgebunden, indem sie einen bestimmten Horizont vertreten. EM. KAYSER (1871), und nach ihm RAUFF (1911), nahmen an, daß alle Dolomite erst nach der variszischen Faltung und Abtragung an einer späteren Landoberfläche entstanden seien, also morphologie-gebunden seien. H. QUIRING (1914), und nach ihm H. TH. REULING (1931), sah beide Bildungsweisen in der Eifel verwirklicht: Ein Teil, nämlich die Dolomite des Oberen Givets, sei im Devonmeere (nach REULING durch Frühdiagenese aus Kalk) entstanden und sei demgemäß horizontbeständig. Ein anderer Teil dagegen sei aus Kalken verschiedener Horizonte an einer Abtragungsfläche entstanden, die nunmehr genauer als die prätriadische Landoberfläche angesprochen wird. QUIRING war von der Sötenicher, REULING von der Prümer Mulde ausgegangen. Die stratigraphische Bearbeitung und Neukartierung der Hillesheimer Mulde mußte auch zu diesen Fragen Stellung nehmen, zumal REULING bei seiner Beweisführung bereits Beispiele aus dieser Mulde herangezogen hatte. Es läßt sich zeigen, daß diejenigen Dolomite, die REULING als "Geländedolomite" angesprochen hat, tatsächlich nachvariszisch und morphologiegebunden sind. Darüber hinaus läßt sich aus der am Weinberg bei Kerpen zu beobachtenden "Kluftdolomitisierung" bestätigen, daß sich die Geländedolomitisierung unter festländischen Bedingungen (Verkarstung) vollzogen hat; es war also keine neue Meeresbedeckung im Spiele. Dagegen ergeben sich erhebliche Schwierigkeiten, wenn man versucht, den angeblich horizontbeständigen "Schönecker Dolomit", der überall mit oder unmittelbar über dem amygdala-Horizont einsetzen soll, im Sinne von REULING als frühdiagenetisch und vorvariszisch zu deuten.