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Die drehkonoskopische Methode und ihre Anwendung in Streupräparaten

Schumann, H.

Kurzfassung

Bei einer großen Anzahl von Sedimenten liegt der Korndurchmesser ihrer hauptsächlichen Mineralbestandteile zwischen 2,0 und 0,02 mm. Für solche Materialien ist das wichtigste Untersuchungsinstrument das Polarisationsmikroskop. Unsere petrographisch-mikroskopische Untersuchungsmethodik wurde im wesentlichen an Dünnschliffen magmatischer Gesteine entwickelt. Den optischen Prinzipien nach läßt sie sich auf Sedimentgesteine in gleicher Weise anwenden; es treten jedoch bei diesen einige besondere Schwierigkeiten auf, derentwegen man gezwungen ist, hier in mancher Hinsicht etwas anders vorzugehen. Die magmatischen Gesteine, größtenteils auch die Metamorphite, stellen chemisch ausgeglichene Systeme dar. Daher zeigen in einem Gestein aus einer dieser Gruppen Mineralbestandteile gleicher Art im wesentlichen auch gleiche chemische Zusammensetzung und gleiche physikalische Eigenschaften. So kommt es, daß man, wenn man von einem bestimmten Mineral, z. B. Hornblende, keinen für die Bestimmung günstigen Schnitt im Schliff gerade vor sich hat, man zum nächsten, übernächsten usw. gehen kann, bis man einen geeigneten Bestimmungsschnitt gefunden hat; denn man kann mit ziemlicher Sicherheit voraussetzen, daß alle nahezu die gleiche Zusammensetzung besitzen. In einem Sediment aber muß man sich darauf gefaßt machen, basaltische Hornblende neben grünem Aktinolith, farblosen Tremolit neben dunkelblauer Alkalihornblende oder gar Anthophyllit anzutreffen. Man ist deshalb genötigt, grundsätzlich Jedes Korn unabhängig für sich zu bestimmen. Eine zweite Schwierigkeit tritt auf, wenn man die Mineralbestimmung in Lockerprodukten vornehmen muß. Das ist der Fall, wenn natürliche Sande, Böden oder irgendwelche Konzentrate vorliegen. Solches Material wird in Streupräparaten untersucht. Sehr häufig nehmen dann die Körner einer Mineralart wegen Einseitigkeiten der äußeren Form praktisch immer die gleiche Lage ein. Das macht sich desto fühlbarer bemerkbar, je seltener das Mineral im Präparat auftritt. Je häufiger es ist, mit desto größerer Wahrscheinlichkeit können auch andere zufällige Ausgangslagen erwartet werden. Die Einseitigkeiten der Gestalt sind - von Ausnahmefällen, wie etwa Lösungskörpern, abgesehen - durch Wachstum oder Spaltbarkeit bedingt. Um Beispiele zu nennen: Zirkone liegen größtenteils fast parallel zu ihrer Hauptachse im Präparat.