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Exkursion in die Ziegeleigrube der Fa. Levin in Göttingen und in die Basaltsteinbrüche der Bramburg bei Adelebsen am 21. Mai 1951, nachmittags

Schmidt, Hermann; Murawski, H.

Kurzfassung

Exkursionsweg: Göttingen-LEVINsche Ziegelei an der Leinebrücke (Besichtigung)-Elliehausen-Esebeck (tekt.-morphol. Übersicht)-Barterode-Adelebsen-Bramburg (Basaltbrüche der Fa. WEGENER, Hannover) - Adelebsen - Lödingsen - Lenglern - Holtensen - Göttingen. Allgemeine geologische Übersicht Der Göttinger Leinetal-Graben ist ein Teilstück der großen rheinisch streichenden Mittelmeer-Mjösen-Zone H. STILLES. Seine Anlage als Graben ist nach Ablagerung mindestens des Unteren Jura erfolgt, da dieser noch in den Grabenbau mit einbezogen worden ist. Aus Analogieschlüssen zu den Verhältnissen im Egge-Gebirge ist durch H. STILLE und seine Mitarbeiter ein jungkimmerisches Alter der Bruchstrukturen gefolgert worden. Der Göttinger Graben ist an Störungen eingesunken, die ziemlich flach gegen die Mittelscholle einfallen. Diese selbst ist aufgewölbt und läßt heute im Grabenkern den Keuper zutage treten, während die gegen die Ränder abbiegenden Teile noch jüngere Schichten, nämlich Unteren Jura (Lias) tragen. Eines dieser Lias-Vorkommen wird in der LEVINschen Ziegelei ausgebeutet. Vom Dogger bis zum Ober-Oligozän sind keine Ablagerungen in der unmittelbaren Nähe des Leinetalgrabens vorhanden. In eine wechselhafte Geschichte sind Zeiten starker Abtragung und Verebnung eingeschaltet. Westlich des Leinetalgrabens finden sich als erste sichere Serien wieder diejenigen des Ober-Oligozäns (Kasseler Meeressand, z. T. fossilführend). In den reliktischen Tertiärvorkommen unter den Basalten und in tektonischen Gräben oder Senken sind dann noch limnisch-fluviatile Serien bis in das Obermiozän, z. T. mit Braunkohlen, erhalten. Im Tertiär fand eine im wesentlichen auf alten Bahnen laufende Bruchtektonik statt. An diese Bewegung sind eine Reihe von Verstellungen geknüpft, die seit dem Abzug des oberoligozänen Meeres das geologische Bild ständig verändert haben. Eingebaut in diese tektonischen Vorgänge ist die Förderung basaltischen Magmas. Die Vulkane entstanden im Obermiozän, wahrscheinlich nahe der Grenze zum Pliozän, wobei sie mindestens in tieferen Stockwerken (unterhalb des permischen Salinars) Förderspalten benutzten, welche durch die tertiäre Tektonik geöffnet wurden. Der Basaltvulkanismus tritt in der gesamten "Hessischen Senke" im jüngeren Tertiär zwar überall auf, jedoch geht er - wie z. B. hier im Leinetalgraben -, deutlich auf die örtlichen Strukturen ein. Die Basaltvorkommen begleiten den Westrand des Leinetalgrabens von Hedemünden im Süden bis nach Adelebsen im Norden. Offenbar sitzen sie auf Zerrspalten im Scharnier einer westlich von Göttingen auf den Graben hin gerichteten Abbiegungszone ("Scharniervulkanismus"). Sie enden im Norden dort, wo das Gewölbe des Sollings nahe an den Leinetalgraben herantritt. Das nördlichste Vorkommen dieser Art befindet sich an der Bramburg, deren Steinbrüche die Exkursion besucht.