Original paper

Zum Problem der Münchberger Gneismasse

Wurm, Adolf

Kurzfassung

Im Mittelpunkt der tektonischen Erörterungen des Variskischen Gebirges in Bayern stand von jeher die Münchberger Gneismasse. Schon im Jahre 1817 haben GOLDFUSS und BISCHOF und im Jahre 1830 Friedrich HOFMANN die Aufmerksamkeit auf die eigenartigen Lagerungsverhältnisse in der Umgebung der Gneismasse gelenkt. Seitdem GÜMBEL im Jahre 1861 zu der Vorstellung einer höchst merkwürdigen Ausnahmestellung der "Münchberger Gneispartie" gelangt war, ist das Problem der Münchberger Gneismasse nicht wieder zur Ruhe gekommen. Es war der Anlaß zu einer empfindsamen Polemik zwischen GÜMBEL und einem der angesehensten Geologen der damaligen Zeit, Karl Friedrich NAUMANN. GÜMBEL hat den Kern der Problemstellung richtig erfaßt. Er vertrat die Auffassung, daß die Gneismasse erst durch tektonische Vorgänge in ihre heutige Lage gekommen sei, daß die Gneismasse aus der Tiefe aufgepreßt und an den Rändern überschoben sei, wobei die Schieferschichten überkippt wurden. Im Jahre 1913 hat F. E. SUESS die Münchberger Gneismasse als Deckscholle erklärt. Von diesem Zeitpunkt an hat sich die Problemstellung auf eine andere Basis verschoben. Es handelt sich um die Entscheidung Autochthonie oder Fernüberschiebung der Gneismasse. Das Problem der Münchberger Gneismasse ist eng mit geologischen Erscheinungen verknüpft, wie sie uns im erzgebirgischen Raum in der streichenden Fortsetzung in der Zone von Wildenfels und vom Frankenberger Zwischengebirge entgegentreten. Die Erforscher des Erzgebirges, KOSSMAT und SCHEUMANN, haben sich deshalb mehrfach mit der Stellung der Münchberger Gneismasse befaßt. Durch meine Aufnahmen im Paläozoikum des Frankenwaldes hatte ich Gelegenheit, eingehend die Lagerungsverhältnisse in der Umrandung der Münchberger Gneismasse kennenzulernen. Seit dieser Zeit sind 25 Jahre verflossen, und inzwischen haben eine ganze Reihe von Forschern, hauptsächlich aus der Schule von CLOOS und SCHEUMANN, in letzter Zeit besonders auch v. GAERTNER, zum Problem der Gneismasse wichtige Beiträge geliefert. Wenn ich zu dieser Frage Stellung nehme, so kann es sich nicht um eine umfassende Diskussion handeln. Ich will nur versuchen, einige Gesichtspunkte herauszustellen, die mir für die Beurteilung des Problems von Bedeutung erscheinen.