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Zur spät- und nacheiszeitlichen Entwicklung einiger Flußtäler im nordwestlichen Deutschland

Nietsch, H.

Kurzfassung

I Die noch verhältnismäßig geringe Zahl ausreichend datierbarer Belege über die Entwicklung nordwestdeutscher Flußtäler macht es wünschenswert, daß jede sich bietende Gelegenheit zur Ausführung pollenanalytischer Zeitbestimmungen wahrgenommen wird. Der nachfolgende Beitrag zur Geschichte der in die Zuidersee mündenden Vechte ist einem glücklichen Zufall zu danken, der den Verfasser im November 1948 einer der bei Laar, auf dem gleichnamigen Meßtischblatt in der Grafschaft Bentheim, von der Seismos-Gesellschaft bei seismischen Sprengungen ausgeführten Bohrungen beiwohnen ließ. Es wurde dabei in 12-12,5 m Bohrtiefe der unmittelbar am Vechteufer nahe der Brücke bei Laar niedergebrachten Bohrung eine feinsandig-humose Schicht angetroffen. Eine daraus aufgefangene Probe erwies sich als geeignet für die pollenanalytische Untersuchung. Es ergab sich der folgende Befund Der Pollengehalt entspricht dem der Pollenspektren aus der postglazialen Eichenmischwaldzeit Nordwestdeutschlands. Das starke Überwiegen der Eiche über Ulme und Linde, die zusammen kaum mehr als ein Zehntel des Eichenpollenwertes erreichen, deutet auf die jüngere Hälfte dieses Zeitabschnittes, die etwa mit dem Kontakt Atlantikum-Subboreal, also im Neolithikum, beginnt, während das Fehlen von Buchenpollen eine Grenze nach oben hin, mit einem Spielraum etwa bis an die Schwelle der frühen Bronzezeit, zieht. Auch ein Vergleich mit den Diagrammen Vriezenveen und Roswinkel [vgl. T. NILSSON (1948) nach FLORSCHÜTZ und WASSINK] aus nächster Nähe der Untersuchungsstelle führt zum gleichen Ergebnis mit der Einordnung in die Mitte oder jüngere Hälfte der Zone IV nach der Zonenbezeichnung NILSSONS.