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Die geometrischen Beziehungen zwischen Schieferung und Faltenachsen

von Gaertner, Hans Rudolf

Kurzfassung

A. Problemstellung Alle Beobachter, welche die Beziehungen zwischen Schieferung (flow cleavage) und Faltenachsen untersuchten, stellten fest, daß die Schieferungsebene im großen und ganzen der Mittelebene der Falten parallel liegt. Ausnahmen, wie eine Zweitschieferung (z. B. die Bruchschieferung von H. SCHOLTZ, die nichts mit der "fracture cleavage" der angloamerikanischen Literatur zu tun hat), sind in der Regel mit einem zweiten, weniger deutlichen Faltensystem aus einem anderen Beanspruchungsplan verknüpft. Soweit diese Beziehung - Schieferungsebene parallel Mittelebene der Falten - gewahrt ist, muß die Faltenachse in der Schieferungsebene liegen. Es liegen in der Literatur mehrfach Beobachtungen vor, nach denen das Streichen der Schieferung vom Streichen der Faltenachsen verschieden ist. Diese Differenz im Streichen wird entweder nur festgestellt bzw. ist nur aus den gegebenen Daten zu erschließen, oder die Differenz wird als mehr oder weniger unerklärliche Tatsache vermerkt. Am nächsten kam noch H. SCHOLTZ (und im Anschluß an ihn H. CLOOS) meiner Ansicht, der eine Beziehung zwischen dieser Differenz und dem Achsenfallen vermutete, ohne die vermutete Beziehung wirklich zu beweisen. Ehe wir in die Einzelausführungen eintreten, möchte ich auf die Unsicherheit der Zahlen in der Geologie hinweisen. Bei all den folgenden Überlegungen ist zu bedenken, daß selbst bei gut ausgebildeten Schicht- und Schieferungs-Flächen das Streichen und Fallen kaum genauer als auf 5°, also mit einem Fehler von 2-3° nach beiden Seiten gemessen werden kann. Häufig ist infolge unregelmäßiger Ausbildung der Flächen der Meßfehler noch größer. Mehrfache Messungen an verschiedenen Stellen vermögen in gut gelagerten Fällen das Ergebnis zu verbessern. Solche verbesserten Messungen haben aber andererseits nur den Wert statistischer Daten, sind also auf konkrete Einzelfälle nicht anwendbar. Häufig sind auch die wirklichen Schwankungen in der Lage der Schieferung noch größer als die hier angegebenen Meßfehler.