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Zur Tektonik des mitteldevonischen Massenkalkes (Beobachtungen aus dem Gebiet von Warstein, Westfalen)

Richter-Bernburg, Gerhard

Kurzfassung

Der Nordostteil des Rheinischen Schiefergebirges wird tektonisch beherrscht von dem "Ostsauerländer Hauptsattel", einer Aufwölbung, die das tiefere Mitteldevon noch weit gegen NE zutage bringt. Auf der Nordflanke nimmt das Oberkarbon ein breites Areal ein. Das Namur wird nur durchragt von zwei ziemlich unvermittelt durchstoßenden und daher einigermaßen kuppelförmig wirkenden Sätteln, in deren Kern der massige Stringocephalenkalk des oberen Mitteldevons (Givet-Stufe) heraustritt. Im größeren der beiden Sättel, bei Brilon, bildet dieser Kalk in ziemlich flacher Lagerung ein geschlossenes Plateau. In dem kleineren Mitteldevon-Aufbruch, dem Sattel von Warstein, der uns hier besonders interessiert, scheint der Massenkalk tektonisch stärker beansprucht. Er ist zusammen mit seinem Hangenden zu mehreren, etwa 8 km lang durchstreichenden Wellen herausgeschoben, was sich übrigens in der Morphologie prächtig abbildet. Das Liegende des Massenkalkes ist dabei bisher nicht bekanntgeworden (vgl. Abb. 1). Da die WSW-ENE streichenden Kalkzüge des Warsteiner Sattelkomplexes im allgemeinen entsprechend ihrer Vergenz nach Norden unvermittelt steil abbrechen, dort auch von jüngeren Tentaculitenschiefern oder Oberdevon unterteuft zu sein scheinen, gewinnt man den Eindruck, daß der kompakte Kalk mit seiner Mächtigkeit von 200-250 m in ± flach herausfahrenden Schuppen zwischen jüngeren Gesteinen liegt (HERMANN SCHMIDT 1921). Daß dem "Massenkalk" tonige oder mergelige Zwischenlagen fehlen, kommt neben anderem in der erstaunlichen Reinheit des in großen Steinbrüchen gewonnenen Kalkgesteins (etwa 98-99% CaCO3) zum Ausdruck. Trotz der vielen Steinbrüche und guter natürlicher Aufschlüsse ist über die Schichtung und ihr Einfallen selten Genaues auszusagen. Durch zahlreiche Klüfte und eine intensive Schieferung werden die wenigen Andeutungen primärer Schichtstruktur verwischt. So ist es verständlich, wenn die einzelnen Kalkzüge bisher als starre Klötze aufgefaßt wurden, welche außer einer rupturellen Zertrümmerung keine innere Umformung und schon gar keine Faltung erlitten, vielmehr durch Entgleisung nach oben dem Zusammenschub auswichen.