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Abflußzahlen im Vogelsberg

Hauck, K.

Kurzfassung

Die Grundwasserforschung, die auf der Grenze zum Arbeitsbereich des Wasserwirtschaftlers hin auch den Geologen beschäftigt, muß im größeren wasserwirtschaftlichen Rahmen gesehen werden: Die Summe von Abfluß, Verdunstung und Versickerung muß die Niederschlagsmenge ergeben, wobei die Versickerung mit negativem Vorzeichen auftritt, wenn der Grundwasservorrat angegriffen wird. Niederschlags- und Abflußwerte sind heute zuverlässig meßbar. Verdunstung und Versickerung zu messen ist schwierig. Rechnerisch können beide Unbekannte aber nur als Summe ermittelt werden; sie ist im Folgenden "Verlust" genannt. Aus diesem Niederschlagsanteil entsteht das Grundwasser. Im Oberhessischen Raume liegen neuere Abflußmeßergebnisse nur an einer Stelle vor: Das Wasserwerk Inheiden hat im Jahre 1948 an der Horloff, oberhalb Gonterskirchen, ein Meßwehr mit Schreibpegel errichtet; die Meßergebnisse hat Herr Dir. KEIL freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Die Monatssummen der Niederschläge; gemessen an der benachbarten Regenmeßstation Schotten, und der am Meßwehr in Gonterskirchen abgenommenen Wassermengen in den Jahren 1948 bis 1952 zeigen für die Wintermonate November bis April deutliche Abflußspitzen; demgegenüber geht in den Sommermonaten der Abflußanteil der Niederschläge stark zurück, trotzdem dann etwa 10% mehr Niederschläge fallen als im Winter. Ein großer Teil der Sommerniederschläge geht sicher in die Verdunstung: das 12 qkm große Einzugsgebiet des Meßwehres in Gonterskirchen ist zu 75% Wald, 20% Wiese und 5% Acker. Aber auch im Oktober und November, also bei abnehmender Vegetation, ist der Abfluß, anscheinend regelmäßig, auffallend gering. Umgekehrt ist bis in den Mai-Juni hinein der Abfluß relativ groß. Schlußfolgerungen aus diesen dreijährigen Beobachtungen dürfen nur als Fragen und Probleme formuliert werden: 1. Kann der große Unterschied zwischen Sommer- und Winterabfluß in den Jahren 1949 bis 1951 in Gonterskirchen verallgemeinert werden? Alte Abflußmessungen des Wasserwirtschaftsamtes aus den Jahren 1907-1909 an der oberen Nidder und am Hillersbach bestätigten die Ergebnisse von Gonterskirchen für etwas größere, ähnliche Einzugsgebiete. Selbst für den Pegel Altenstadt der Nidder (Einzugsgebiet 318 qkm) zeigen sich noch ähnliche Verhältnisse.