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Die hydrogeologischen Verhältnisse in Wetterau und Vogelsberg

Schenk, Erwin

Kurzfassung

Die horizontale und vertikale Gliederung des oberhessischen Wasserschatzes ist bestimmt durch das radiale Gewässernetz zwischen den 3 den Vogelsberg überspannenden Hauptwasserscheiden und durch den geologischen Bau des vulkanischen Gebirges und den geologischen Bau seines Rahmens. Das Gebiet zwischen Seenbach und Lahn bis in die nördliche Wetterau bildet eine hydrogeologische Einheit für sich. Die Täler des Vogelsberges haben nur in den Flußabschnitten am Gebirgsrand grundwasserführende Schotter und Sande. Die höheren, durch Erosionsstufen gekennzeichneten Talböden bestehen aus pliocänem und diluvialem, tonig lehmigem, sehr steinigem Schutt ohne Grundwasser. An den Talhängen streichen vielfach alte Landoberflächen aus, die durch lateritische Verwitterungskrusten gekennzeichnet sind und hydrogeologisch wasserstauende Horizonte und damit Quellenhorizonte bilden. Die lateritischen Verwitterungskrusten gliedern das Gebirge in eine Anzahl von Grundwasserstockwerken, die, im großen gesehen, eine mehr oder weniger ringförmige Anordnung von Quellgebieten im Vogelsberg bedingen. Auch im zentralen Vogelsberg im Oberwald sind die Quellbildungen an die Grenze zwischen Laterit und Basalt gebunden. Die am stärksten schüttenden Quellen, wie Queckborn, Grünberg, Lauter, Inheiden, Ober-Schmitten, Wolf u. a., liegen am Rande des Gebirges. Für die Grundwasserbewegung sind die Gesteinsformen seines Rahmens entscheidend. Der Hauptstrom bewegt sich am Westrand des Vogelsberges, der sich bei Friedberg mit einem vom Taunus her kommenden Strom vereinigt. Das hydrologische Profil von Bad Vilbel durch die Horloffsenke und den westlichen Vogelsberg bis in das Amöneburger Becken zeigt einen allmählichen Anstieg des Grundwasserspiegels von 106 m ü. N.N. bei Bad Vilbel bis auf 134 m ü. N.N. bei Villingen. Hier beginnt dann ein verhältnismäßig sehr steiler Anstieg bis auf rund 270 m ü. N.N. im Seenbachtal. Nach Norden hin fällt er allmählich ab auf rund 200 m ü. N.N. Im Zuge dieser Linie treten die Quellgebiete von Queckborn, Grünberg und Lauter mit ihren weitgreifenden natürlichen Absenkungstrichtern in Erscheinung. Der Vergleich der 10jährigen Mittel der ersten und letzten Dekade der seit 40 Jahren laufenden Grundwasserbeobachtungen gibt deutlich die Grundwasserabsenkung und Abflußminderung durch die Entnahme in den Großwasserwerken im Raume der unteren Horloff zu erkennen. Die außerhalb dieses Gebietes liegenden Beobachtungsstellen zeigen dagegen einen Anstieg des Grundwasserspiegels. Von einer Verminderung der Grundwasservorräte bzw. von einem allgemeinen Sinken des Grundwasserspiegels kann in Vogelsberg und Wetterau keine Rede sein.