Original paper

Ergebnisse einer kleintektonischen Untersuchung in der Dachschiefergrube "Wilhelm Erbstollen", Kaub a. Rhein

Engels, Bruno

Kurzfassung

Die Untersuchung galt in erster Linie den wichtigsten Aufschlüssen unter Tage (Grube "Wilhelm Erbstollen" mit etwa 16 km aufgefahrenen Strecken in 3 Sohlen, Barbara-Stollen von über 500 m Länge). Darüber hinaus wurde auch über Tage das Gebiet zwischen dem Blücher- und Volkerbach-Tal kleintektonisch aufgenommen. Das erste Ziel dieser Untersuchungen war, einen Überblick über die Lagerungsverhältnisse der Schichten und über die evtl. Gesetzmäßigkeiten der Störungsverhältnisse zu gewinnen. Die kleintektonische Aufnahme wurde zunächst ganz systematisch im Maßstabe 1:100 vorgenommen, dann in 1:1000 umgezeichnet und durch Extrapolation zu zusammenhängenden Faltenbildern ergänzt. Die Profile der Querstollen (NW-SE verlaufend) wurden sodann zu einer Profilserie zusammengestellt, um die Zusammenhänge besser überblicken zu können. Die Querprofile des Barbara-Stollens und der oberirdischen Aufschlüsse lieferten hierzu wertvolle Ergänzungen. Hierbei ergab sich u. a., daß eine quarzitische Grauwackenbank (0,75-1,2 m mächtig und aus 3-4 Teilbänken bestehend) offenbar als Leitschicht verwendet werden kann. Das Verhalten dieser Grauwackenbank zeigt bereits ein generelles Achsengefälle nach NE an. Dies geht noch deutlicher aus den Grundrissen der I. und II. Sohle der Grube hervor, desgleichen aus dem Längsprofil der Hauptförderstrecke. Die Grundrisse und das Längsprofil lassen darüber hinaus auch mancherlei Einzelheiten erkennen, z. B. ein Schwanken der Faltenachse um die Horizontale im westlichen Teil der Grube gegenüber einem offenbar verstärkten Achsengefälle nach NE im östlichen Teil; die Schnittkanten der Schubklüfte mit dem Schiefer- oder Schicht-S hingegen fallen fast immer mehr oder weniger steil nach W ein Besonders schwierig ist die Erfassung der Längsstörungen und ihrer Verschiebungsbeträge. Aus den übersichtlicheren Aufschlüssen über Tage ergab sich, daß diese Auf- oder Überschiebungen teils als "Kauber Walze" (verquarzt) und teils als ausgewalzte Faltenschenkel versteckt auftreten, und daß offenbar mit beträchtlichen Ausmaßen dieser "Verschiebungen" gerechnet werden muß. Immer wieder konnte festgestellt werden, daß die Mächtigkeit der steilstehenden Faltenschenkel gegenüber der verhältnismäßig flach nach SE einfallenden geringer ist, etwa im Verhältnis von durchschnittlich 1:3.