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Die Wetterauer Braunkohlen, ihre Stratigraphie und Tektonik und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für den Bergbau

Schenk, Erwin

Kurzfassung

Die seit mehr als hundert Jahren bestehende Unsicherheit in der Einstufung der Braunkohle der Horloffsenke in der Wetterau ist durch die Bergung und Bearbeitung der Fauna aus der Grube Römerstraße (TOBIEN) beseitigt. Noch 1941 wurde dieses Braunkohlenlager von KLÜPFEL dem Helvet eingegliedert, obwohl bereits durch die Untersuchung der Flora, insbesondere von KIRCHHEIMER (1934), ihr oberpliozänes Alter höchst wahrscheinlich gemacht war. Die Fauna der Grube Römerstraße liegt an der Basis der über den lateritisch zersetzten Basalt- und Tuffschichten liegenden Sedimentserie mit der Braunkohle, und zwar in den Braunkohlenletten, Diese Schichten sind in das frühe Oberpliozän zu stellen. Während bis zu diesem Zeitabschnitt in der Horloffsenke eine tiefgründige Verwitterung und teilweise auch Abtragungen die Landoberfläche bestimmten, fühlte im frühen Oberpliozän die weitere Einsenkung des Horloffgrabens zur Bildung der Braunkohlenflöze. Diese Einsenkung dauert durch das Pleistozän bis heute an. Sie ist durch die spätdiluvialen Bimssandsteinlagerungen in dem jüngsten Braunkohlenflöz noch deutlich gekennzeichnet. In den Siderittonen über der oberpliozänen Braunkohle wurden bereits von TASCHE (1859) und KIRCHHEIMER (1934) tuffartige Schichten festgestellt. Der Verfasser hat im Tagebau Trais-Horloff sowohl im unteren als auch im oberen Teil der Siderittone ebenfalls solche Ablagerungen festgestellt, und zwar in mehreren Horizonten. In den gleichfalls noch kalkhaltigen aber sideritfreien diluvialen Tonen fehlen sie. Die Beendigung der Sideritbildung ist wahrscheinlich als Klimawechsel zu werten. Die Ablagerungen der sehr feinkörnigen vulkanischen Gesteinspartikel können deshalb schlecht durch Erosion und Denudation in der Nachbarschaft des Grabens und Ablagerung in ihm erklärt werden, vielmehr ist wohl mit Rücksicht auf die unveränderten Abtragungsverhältnisse zu schließen, daß noch im Oberpliozän vulkanische Explosionen stattgefunden haben, deren Produkte vom fließenden Wasser in die Senke gebracht wurden. Die Serie vulkanischer Gesteinsbildungen im Liegenden der Braunkohle ist lateritisch zersetzt. Die tiefe Bohrung bei Grube Römerstraße weist ihre Möglichkeit mit rund 100 m aus. Hier liegt sie auf Mergeln, die auf Grund der Funde von Ostracoden (Cyprideis cf. miocäenica LKL.) und Mollusken (Bruchstücke von Congerien und Hydrobia sp.) der Corbicula-Stufe angehören (TRIEBEL).